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Hier zeigt ein Bild Besucher in der Sammlung Waldschmidt
Ein Bild zeigt den Globus von Johannes Schöner aus dem Jahr 1515
Schöner Johann Erdglobus um 1515 Holz Pappmache Papier © HMF, Uwe Dettmar

Das Museum des Johann Martin Waldschmidt in der Stadtbibliothek
 
Die Frankfurter Stadtbibliothek wurde am Ende des 17. Jahrhunderts öffentlich zugänglich und erhielt mit dem Juristen und Privatsammler Johann Martin Waldschmidt den ersten hauptamtlichen Bibliothekar.

Die Bibliothek sammelte nicht nur Bücher, sondern auch Porträts ver­dien­ter Bürger, Pfarrer und Gelehrter, Büsten und Münzen römischer Kaiser, wertvolle Globen und wissenschaftliche Instrumente, antike Bodenfunde aus dem städtischen Territorium, Blasinstrumente der städtischen Ka­pell­musik des 16. Jahrhunderts und wertvolle Geschenke an den Rat  wie z.B. das „Englische Monument“, ein Prunkpokal in Form einer Säule, den englische Religionsflüchtlinge 1557 hinterlassen hatten.

Die Frankfurter Stadtbibliothek, deren Wurzeln bis ins Mittelalter reichen, wird im 17. Jahrhundert die erste museumsähnliche und öffentlich zugängliche Sammlung in Frankfurt. Ihr damaliger Bibliothekar Waldschmidt konnte neben Büchern bereits Gemälde, Münzen, Antiken, Naturobjekte, Instrumente und Skulpturen in den Katalogen verzeichnen. Doch wie kam es zu einer solch außergewöhnlichen Universalsammlung?



Den Kern der Stadtbibliothek bilden die alte Ratsbibliothek und die Bibliothek der Barfüßermönche (=Franziskaner). Doch seit dem 16. Jahrhundert gab es in der Bibliothek nicht nur Bücher. Hier wurden nach und nach auch seltene, kostbare und merkwürdige Objekte verwahrt. 1691 wurde der erste hauptamtliche Bibliothekar angestellt, der studierte Jurist Johann Martin Waldschmidt (1650-1706). Darüber hinaus war er theologisch, historisch und naturwissenschaftlich gebildet. In seinem Amtseid musste er schwören, dafür zu sorgen, dass „außer denen Büchern” auch „noch andere rare Sachen und Curiositäten der Bibliothec gebracht” würden.
 
Der Sammlungsbestand der Stadtbibliothek war von Beginn an vierfältig. Es gab dort astronomische und wissenschaftliche Geräte, archäologische Funde und Ausgrabungen aus der Umgebung von Frankfurt, Mineralien und Versteinerungen, Elfenbein-, Gold- und Silberschmiedearbeiten, eine Gemäldegalerie gelehrter Männer und eine Münzsammlung. Auf das ganze schauten Portraits römischer Kaiser hinab, deren Leben und Herrschen den lebenden Menschen ein Vorbild sein sollte. Herausragende Objekte der Sammlung sind der 1515 entstandene Erdglobus des Johannes Schöner und der 1594 entstandene Himmelsglobus der Gebrüder Langgren.
 
Waldschmidt selbst war ebenfalls leidenschaftlicher Sammler und besaß ein Naturalienkabinett mit Muscheln und Mineralien sowie eine Münzsammlung. Sein Verdienst war es, dass die Stadtbibliothek zur ersten öffentlichen musealen Sammlung in Frankfurt wurde. Die Bibliotheksbesucher hatten die Möglichkeit, zweimal wöchentlich zu festen Zeiten die Bücher zu lesen und die Objekte zu betrachten.