Projekte
Die Forschung an und mit den Sammlungsobjekten ist eine Hauptaufgabe des Museums. Hier werden unsere Forschungsprojekte und Fachkonferenzen vorgestellt. Für eine Übersicht zu bisherigen Projekten verweisen wir auf die Publikationsliste.
Das nationalsozialistische Erbe stellt deutsche Museen bis heute vor juristische Probleme. Durch die sogenannte „Arisierung"" jüdischen Eigentums im Nationalsozialismus kamen Kulturgüter mit teils erheblichem Wert durch erzwungene Ankäufe unter Wert oder Enteignungen in die Ausstellungen und Depots. Durch die vor diesem Hintergrund oft bewusst unvollständige Inventarisierung der Objekte sind die rechtmäßigen Eigentümer*innen nur schwer feststellbar.
Die Aufarbeitung der eigenen Geschichte bei der unrechtmäßigen Aneignung von jüdischem Besitz begann im Historischen Museum Anfang der 2000er Jahre. Dabei stand zunächst die Gemäldesammlung im Fokus, da durch die Künstler*innen- und Sujetbestimmung die Erwerbungsgeschichte besser nachvollzogen werden kann als dies bei anderen Museumsstücken möglich ist. Mit den begrenzten finanziellen Mitteln konnten erste Ergebnisse vorgelegt, der Bestand aber nicht komplett untersucht werden. Gefördert durch die Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin (heute Stiftung Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg) bestand zwischen 2010 und 2015 ein Forschungsprojekt Provenienzforschung im Historischen Museum Frankfurt. 2026 streben wir an, weitere Bereiche der Sammlung zu beforschen.
Kulturgeschichte von Kleidung war die große Leidenschaft der Darmstädter Diplom-Bibliothekarin Eva Larraß (1917-2005). Sie sammelte über 4000 Bücher, auch eine Vielzahl von Modegrafiken und Modezeitschriften befanden sich in ihrem Besitz. Mit der Übergabe an das Historische Museum Frankfurt im Jahr 2003 entstand zusammen mit dem museumseigenen Bestand die umfangreichste Bibliothek mit dem Schwerpunkt in der Region. Nun ist ihre Sammlung digital erschlossen und im Online-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB) zu recherchieren. All dies wäre ohne die ehrenamtliche Arbeit von Frau Martina Sichelschmidt nicht möglich gewesen.
Eva Larraß schuf von 1953 bis in die 1990er Jahre die deutschlandweit größte private Kostümbibliothek. Sie war eine gefragte Modefachfrau und wer sich mit Mode, Trachten oder Kostümen vom Altertum bis zur Gegenwart beschäftigte, profitierte von ihrem Wissen und ihrer einmaligen Sammlung. Nach ihrer Pensionierung widmete sie sich ganz ihrer Leidenschaft und veröffentlichte das Buch „Zeit und Kleid. 900 Jahre Kostümgeschichte in Darmstadt“.
Kurz vor ihrem 80. Geburtstag entschloss sie sich, ihre Schätze an das HMF abzugeben, das sich im Bereich der Kleiderforschung bereits einen Namen gemacht hatte. Wissen und Objekte sollten zusammen kommen, ihre Bibliothek sich mit dem großen Textilbestand des Museums verbinden. Es ist der damaligen Textilkuratorin Almut Junker zu verdanken, dass sie sich für das HMF entschied.
Digitale Sammlungsdokumentation und Digitalisierung der Objekte ermöglicht Forschenden weltweit einen leichteren Zugriff auf historische Quellen. In der digitalen Sammlungsdatenbank erfolgt die Einordnung des Objekts in eine Sachgruppe, die Zuordnung zu einem Künstler, einer Werkstatt oder einem Industriebetrieb, die Datierung, die Recherche nach Vorbesitzern, nach möglichen Bearbeitungen des Objekts nach der Entstehung und nicht selten die Feststellung seiner Echtheit. Weiterhin gehören zur Inventarisierung eine Material- und Technikidentifizierung und schließlich eine Zustandsbestimmung, im Idealfall in enger Abstimmung mit den zuständigen Restaurator*innen.
Die unmittelbare Auseinandersetzung mit dem Museumsobjekt kann somit auch ein Beitrag zur Bestandssicherung sein, wenn hier Notwendigkeiten erkannt und konservatorische Maßnahmen veranlasst werden. Erst wenn diese Arbeit der Inventarisierung gemacht wurde, kann die weitere Museumsarbeit beginnen. Mit Hochleistungsscannern bis hin zu KI-durchsuchbaren Datensätzen beschleunigt sich derzeit diese Grundlagenarbeit.
PDF
Die Verbindung von Kleidung, Bewegung und Körper wird als selbstverständliche Symbiose gedacht, die aber immer kulturell geprägt, gegendert und mit neuen Konnotationen und Definitionen versehen wird. Die Forschung hat dem tatsächlichen Zusammenhang von Kleidung, Bewegung und Körper jedoch lange wenig Beachtung geschenkt. Zwischen 2015 und 2019 fand das textilwissenschaftliches Kooperationsprojekt zwischen der Universität Paderborn und dem Historischen Museum Frankfurt satt.
Kernthema des Projekts war die interpretierende Kleidungsforschung: Schnittformen, Nahtverläufe und Stoffe der Kleidung aus der Sammlung des Historischen Museums Frankfurt der Zeitspanne zwischen 1850 und 1930 wurden hierzu untersucht. Der umfangreiche Sammlungsbestand gibt Aufschluss über die Bewegung, Geschwindigkeit und Mobilität des menschlichen Körpers in dieser Epoche. Welche Bewegungsspielräume und -formen ließen Materialität und Schnitte zu – oder welche eben nicht?
Die Forschungsergebnisse fanden Eingang in die Ausstellung "Kleider in Bewegung. Frauenmode seit 1850", die von Mai 2020 bis Januar 2021 im Historischen Museum Frankfurt präsentiert werden konnte. Ein Ausstellungskatalog mit zahlreichen großformatigen Abbildungen ist erschienen, in dem weitere Resulte dieser Forschungsarbeit zu finden sind.
Im Jahr 2008 wurde eine kleine Darstellung des Heiligen Josephs aus der Sammlung Prehn als Fragment eines Altars des der Haarlemer Malers Geertgen tot Sint Jans identifiziert. Sogleich kam die Frage auf, welche kunsthistorischen Überraschungen das Prehn’sche Kabinett sonst noch bereithält. Die Idee eines wissenschaftlichen Bestandskataloges dieser umfangreichen Sammlung kleinformatiger Gemälde aller Schulen und Genres vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war geboren.
Wie alle anderen Formen der Angewandten Kunst, muss auch die Mode uneingeschränkt frei ausgeübt werden können. In Zeiten eingeschränkter Meinungsfreiheit, wie in der Zeit des Nationalsozialismus, griff der Staat mit einer gelenkten Volkswirtschaft auch in den freien kreativen Bereich ein. In Frankfurt entstand in dieser Zeit ein deutschlandweit einzigartiges Institut, das den Staatsdirigismus auch in den Bereich der Mode lenken sollte: das Frankfurter Modeamt.
Das 1933 gegründete städtische Amt war beauftragt, Vorgaben für eine dem Nationalsozialismus opportune deutsche Mode zu entwickeln, die international konkurrenzfähig sein sollte. Es galt, die Bedeutung der dominanten französischen Mode zu schwächen. Hinter diesem ideologischen Ziel standen dezidierte wirtschaftliche Interessen. Beabsichtigt war eine Stärkung des deutschen Schneiderhandwerks bei gleichzeitiger Verdrängung jüdischer Bekleidungsbetriebe. Mit dem Entstehen einer deutschen Mode in Frankfurt sollte die Stadt zum deutschen Bekleidungszentrum avancieren.
Letzte Tagungen
Soziale Klasse zählt zu den prägendsten, aber im Kulturbereich nach wie vor unterbelichteten Kategorien gesellschaftlicher Ungleichheit. Die Tagung rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie Klassenzugehörigkeit – verstanden als soziales Verhältnis und strukturelle Position – Museen in ihren Inhalten, Arbeitsweisen und Publika beeinflusst. Wie reproduzieren Museen die bestehende Klassengesellschaft? Und welche Potenziale haben sie, um diese sichtbar zu machen, zu hinterfragen – oder gar Klassenungleichheiten zu überwinden?
Die Tagung bot theoretische Zugänge zu Klasse und Klassismus ebenso wie eine kritische Reflexion der kulturellen und musealen Praxis. In Vorträgen, Diskussion und Workshops wurden die Verflechtungen von Museen mit Klassenverhältnissen untersucht und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten für eine klassenbewusste, diskriminierungskritische Museumsarbeit entwickelt.
Die Tagung wurde organisiert von Joachim Baur (TU Dortmund), Dominik Hünniger (Deutsches Hafenmuseum Hamburg) und Doreen Mölders (Historisches Museum Frankfurt).
Ein fachlicher Austausch unter wissenschaftlichen Referent*innen über die derzeitigen Themen der interdisziplinären Revolutionsforschung zu 1848 und eine aktualisierte Erinnerung an die Revolution erfolgte an zwei Tagen mit Beiträgen für eine wissenschaftliche und bildungspolitisch interessierte Öffentlichkeit von bis zu 100 Teilnehmenden. Die Fachtagung wählte einen geschlechtersensiblen und aktuellen demokratiegeschichtlichen Zugang. Neben thematischen Perspektiven wurden auch biographiegeschichtliche Ansätze sowie die Rezeptionsgeschichte beleuchtet.
Die wissenschaftliche Tagung wurde veranstaltet von Forum Vormärz e.V. (Bielefeld), Institut für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum, Archiv der deutschen Frauenbewegung (Kassel), Historisches Museum Frankfurt und Bundesarchiv-Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte (Rastatt).
In Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung, dem Fritz Bauer Institut, dem Historischen Seminar der Goethe-Universität und der Frankfurter Historischen Kommission lud das Historische Museum Frankfurt im September 2022 zu einer öffentlichen Tagung ein.
Die Geschichte und Ideologie des NS zu verstehen, um den Versprechen von Rechtspopulist*innen und Rechtsradikalen zu widerstehen: Das muss auch heute ein Hauptziel von historischer und politischer Bildung sein. Wie verhielt sich Frankfurt mit seiner Stadtverwaltung, Justiz, Polizei und Universität im NS-Reich? Welche Handlungsspielräume hatten Kommunen im NS und welche Rolle spielten sie für die Durchsetzung der NS-Politik?
Das HMF hat sich 2018 entschlossen, ein großes Ausstellungsprojekt über "Frankfurt und der NS" zu erarbeiten. Drei Ausstellungen wurden zeitgleich und in engem Bezug zueinander entwickelt: Neben der Ausstellung im Jungen Museum "Nachgefragt", die ein junges Publikum ab 10 Jahren anspricht, versucht die historische Ausstellung "Eine Stadt macht mit" auf großer Fläche eine umfassende Gesamtschau mit Vor- und Nachgeschichte, während die partizipativ erarbeitete Stadtlabor-Ausstellung "Auf Spurensuche im Heute" an die zahlreichen Bürger*innen mit aktivem Interesse an Erinnerungskultur adressiert war.
Die Konferenz am 26. und 27. Februar 2021 widmete sich neuen Handlungsräumen und Methoden, mit dem heutigen Rassismus und der Vielfalt an Menschenfeindlichkeiten umzugehen. Wo Minderheiten zu einer Mehrheit werden, gibt es keine Mehrheit mehr, die einer Minderheit erklärt, wer sie ist und was sie fühlen darf. Wie stärken wir uns und werden Verbündete auf dem Weg, um auch Mehrfachdiskriminierungen und ihre Schnittstellen (Intersektionen) zu erkennen? Welche Schritte braucht es, um die Gesellschaft und vor allem ihre Institutionen auf einen rassismuskritischen Weg zu bringen? Wie die Stimmen der Betroffenen stärken?
Die Fachtagung eröffnete den Teilnehmer*innen Denk- und Reflexionsräume, in denen sich eine vielfältige Stadtgesellschaft neu definieren lässt. Diskutiert und praktisch erlebt werden verschiedene Formen von Empowerment und Powersharing. Zielgruppe sind Menschen aus rassismuskritischen und intersektionalen Arbeitsbereichen sowie alle Menschen, die sich gegen Rassismus engagieren (wollen).
Die Ausstellung "Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern" macht die vielfältigen Dimensionen des Vergessens sichtbar und verzahnt Erkenntnisse aus Sozialwissenschaften, Kulturgeschichte, Neurowissenschaft, Psychoanalyse und Kunst miteinander. Die Tagung am 23. und 24. Mai 2019 vertiefte die Themenfelder Gedächtnis – Biografie – Identität, kultureller Wandel von Erinnern und Vergessen, Vergessen als Verdrängen des Vergangenen und Traume im Dialog der Expert*innen. Vorträge von 30 Minuten und moderierte Gespräche wechselten sich ab.
Zur Vorbereitung der Ausstellung über die Zeit von 1933 bis 1945 in Frankfurt veranstaltete das Historische Museum Frankfurt am 21. und 22. März 2019 die Tagung "Frankfurt und der Nationalsozialismus", die Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen zusammenbrachte.
In insgesamt 16 Vorträgen stellten sie am ersten Tag aktuelle Forschungsprojekte zu Frankfurt im Nationalsozialismus vor und berichteten am zweiten Tag davon, wie man andernorts mit den Herausforderungen umgeht, vor denen heute die Erinnerung daran steht. Das Museum, das sich nicht erst seit seiner Neukonzeption patizipativer Vermittlung verschrieben hat, bindet auch die Erwartungen der Frankfurter Stadtgesellschaft an eine solche Ausstellung ein. Bei einem Vorabtreffen spitzten Frankfurter Geschichtsinitiativen und engagierte Einzelpersonen ihre Vorstellungen in den Themenbereichen Verfolgte, Topografie, Widerstand, Wirtschaft und Krieg sowie Geschichtskultur nach 1945 zu. Ihre Ergebnisse stellten sie auf der Tagung vor.
Das Thema stößt in der Stadtgesellschaft auf sehr großes Interesse. So kamen mehr als 200 Teilnehmer*innen zu der Veranstaltung, die das Museum in Kooperation und mit Förderung des Fritz Bauer Instituts und der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung veranstaltete. Weitere Kooperationspartner sind das Institut für Stadtgeschichte, die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, die Bildungsstätte Anne Frank und das Jüdische Museum Frankfurt.
Anlässlich des Sehbehindertentages 2018 am 6. Juni stellte das HMF mit dem Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen e.V. seine Angebote für blinde und sehbehinderte Besucher*innen vor.
Im Rahmen des Projektes "inklusives Museum" hat das Museum in enger Abstimmung mit dem Verband zahlreiche Angebote für Menschen mit einer visuellen Einschränkung entwickelt. Ein Leitsystem durch die Service- und Ausstellungsbereiche, Tastmodelle, Objekte zum Anfassen sowie eine neuartige audiodeskriptive Tour auf dem Multimediagerät des Museums konnten während einer Veranstaltung ausprobiert und diskutiert werden. Im Anschluss an die Vorstellung des Projektes luden die Veranstalterinnen zu einem "Runden Tisch" ein. Dort konnten Museumspädagog*inenn aus den Frankfurter Museen, die sich selbst auf den Weg machen wollen, Angebote für Menschen mit Sehbehinderung zu entwickeln, mit Expert*innen in eigener Sache zum Ideenaustausch zusammenkommen.
Konferenz vom 13. bis 15. September 2017
Vor rund 100 Jahren beteiligten sich die Frauen in Deutschland erstmals an politischen Wahlen. Die Konferenz diente nicht zuletzt dazu, die große Ausstellung über das Frauenwahlrecht in Deutschland zu unterstützen, die 2018/19 im HMF zu sehen war.
Am Freitag, den 17. Mai 2017 wurde der vom Stuttgarter Büro LRO Architekten entworfene Neubau des Historischen Museums an den Nutzer übergeben. In diesem Rahmen hatte die Öffentlichkeit zum ersten Mal die Möglichkeit, den Neubau zu besichtigen.
Das Historische Museum Frankfurt, der BDA Hessen und die Stadt Frankfurt luden aus diesem Anlass zu einem Kolloquium am 19. Mai 2017 ein, das die Entwicklungen des aktuellen Museumsbaus und dessen Bedeutung für die Stadt und die Gesellschaft zur Diskussion stellt.
Ein Museum ist kein Haus wie jedes andere – es hat einen besonderen symbolischen, repräsentativen und öffentlichen Charakter. Welche Rolle spielt heute die Architektur als Materialisierung der Institution Museum für die Identität der Stadt? Wie kann es dazu beitragen, Ort der Aushandlung von gesellschaftlichen Fragen zu sein? Wie wird das Museum ein Haus der Stadt?
Zum Auftakt der Veranstaltung fanden Führungen durch das Haus statt. Daran anschließend gaben die Architekten Arno Lederer (LRO Architekten, Stuttgart), Volker Staab (Staab Architekten, Berlin) und Jose Zabbala (addenda architects) Einblick in ihre Arbeit und ihre Position zur Frage, wie ein Museum zum Haus der Stadt wird.
Die Fachkonferenz "Mit allen Sinnen – das inklusive Museum" fand am 12. und 13. Dezember 2016 im Historischen Museum Frankfurt statt.
Auf der Konferenz kamen Expert*innen, innovative Unternehmen, Vertreter*innen von Museen und Menschen mit Behinderung zusammen, um über die neuen Anforderungen einer inklusiven Ausstellungskultur in Museen zu diskutieren. Die Veranstaltung hat Impulse für Museumsmanagement und Vermittlungskonzepte gegeben.
