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Vier Stühle stehen vor einer Wand, auf der ein Gemälde mit Plastikfolie abgeklebt ist

Wie geht Kulturpalast? Rückblick – Praxis – Vision

17. – 18. September 2026

Symposium im HMF und im Bolongaropalast

Der Höchster Bolongaropalast eröffnet 2027 als neuer Kulturpalast des Frankfurter Westens. Ein Jahr zuvor lädt das Historische Museum Frankfurt zu einem internationalen Symposium ein, das Gestaltung, Nutzung und Bedeutung des Palastes als demokratischen, teilhabeorientierten Kulturort diskutiert.

Eine Veranstaltung vom Historischen Museum Frankfurt im Rahmen der WDC 2026. WDC 2026 wird gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Das Symposium wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
Programmübersicht als PDF_English

Programm

Donnerstag, 17. September 2026 
13 Uhr: Ankunft und Registrierung im Eingangsfoyer des HMF
13.30 Uhr: Grußwort Dr. Doreen Mölders, Museumsdirektorin 
14 Uhr: Grußwort Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main

Heloisa Pisani (International Affairs Managerin beim SESC São Paulo - Serviço Social do Comércio) in Brasilien. Pisani koordiniert internationale Strategien und multilaterale Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Förderung des interkulturellen Dialogs, der Entwicklung multidisziplinärer Programme sowie dem Aufbau nachhaltiger Partnerschaften zwischen Kultureinrichtungen, Regierungen und internationalen Organisationen.

"Wie man einen Kulturpalast gestaltet: Bürgerschaftliche Verantwortung und die demokratische Neugestaltung des ehemaligen Klosters Santo Domingo, Oaxaca" 
Mari-Tere Álvarez Carpenter, ist Kunsthistorikerin und Museumsexpertin. Sie ist Project Specialist am J. Paul Getty Museum in Los Angeles und war zuvor Associate Director des International Museum Institute der University of Southern California (USC). Ihre wissenschaftliche und kuratorische Arbeit umfasst einen kooperativen, den gesamten amerikanischen Kontinent einbeziehenden Ansatz in der Kunstgeschichte und Museumspraxis. Ihre Arbeit trägt zur Entwicklung neuer, nicht-hierarchischer, Perspektiven auf Kunst und kulturellem Erbe bei. Am Getty war sie unter anderem an Ausstellungen und Forschungsprojekten beteiligt und publizierte zu Themenwie Museen als gesellschaftliche Institutionen, Fragen der sozialen Verantwortung, der Nachhaltigkeit und des kulturellen Austauschs einbinden.

"Öffentlichkeit der Infrastruktur: Wie Kulturräume künstlerische Praxis selektiv ermöglichen. Am Beispiel Südkoreas"
Hye-in Park ist Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin mit Sitz in Berlin und Seoul. Sie promoviert im Fach Kunstgeschichte und Ästhetik an der Universität Kassel. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit zeitgenössischer Kunst in Ostasien und deren gesellschaftlichen, politischen und institutionellen Kontexten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung kollektiver und gemeinschaftsbasierter künstlerischer Praktiken sowie auf Fragen von Kulturpolitik, Sichtbarkeit, Arbeit und öffentlichem Diskurs. Ihre Arbeit erforscht, wie kulturelle Räume und Öffentlichkeit durch infrastrukturelle Bedingungen – und nicht durch formale Partizipation oder symbolische Offenheit – konstituiert werden. Park ist Mitbegründerin des unabhängigen Publikationskollektivs Ama-Gum und Mitglied des Asian Feminist Studio for Art and Research (AFSAR).

"Zentren geistiger Stadterweiterung: Die Architektur der Wiener Volkshochschule"
Carina Sacher ist Architektin und Doktorandin am ETH Wohnforum – ETH CASE der ETH Zürich. Sie studierte Architektur an der TU Wien und an der École Nationale Supérieure d’Architecture de Versailles und war Mitarbeiterin bei Anne Lacaton an der ETH. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Wohnverhältnissen marginalisierter Gruppen sowie mit sozialen, räumlichen und architektonischen Dimensionen von Ungleichheit, Prekarisierung und Exklusion. Sie promoviert am ETH Wohnforum zu elterlicher Trennung und Wohnen im Zusammenhang mit Sorgearbeit und sozialer Ungleichheit.

Lukas Vejnik ist Architekturforscher. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Forschungslabor Nachkriegsmoderne der Frankfurt University of Applied Sciences und studierte Architektur an der TU Wien Im Rahmen von Ausstellungen, Forschungsprojekten und schriftlichen Beiträgen befasst er sich insbesondere mit der Rezeption und Transformation der Architektur der Nachkriegsmoderne. 

Nur für angemeldete Teilnehmer*innen des Symposiums.

Markus Grossbach (Kultur- und Museumsverein Bolongaro e.V.), Eritreischer Kulturverein Höchst und Umgebung e.V., Obedia Nonis (Ceylonilicous Sri Lankan Streetfood), Corinna de la Ossa (Musikschule Frankfurt), Schüler*innenband der Musikschule Frankfurt und dem Amt für künstlerische Vermessung. Das Amt für künstlerische Vermessung (AfkV) ist eine von social.form, einem Architekturbüro für Projektentwicklung, Raum und Aktion mit Sitz in Darmstadt, entwickelte Methode zur künstlerischen und emotional-subjektiven Untersuchung urbaner Räume. Sie ergänzt klassische städtebauliche Analysen um die Perspektiven von Kulturschaffenden und macht situierte Wahrnehmungen, Geschichten und soziale Strukturen eines Ortes sichtbar. In temporären „Vermessungen“ werden Stadtteile und ihre räumlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhänge untersucht und gemeinsam mit lokalen Akteur*innen neue Zugänge zu urbanen Räumen geschaffen.

Freitag, 18. September 2026
9 Uhr: Ankommen, Leopold-Sonnemann-Saal, Historisches Museum Frankfurt

Juliette Pinard vom Centquatre, Paris ist Stadtplanerin und promovierte Urbanistin. Sie ist Verantwortliche für kulturelle Stadtentwicklung und Entwicklung bei 104ingénierie, dem Bereich für kulturelle und urbane Projektentwicklung des Centquatre. Zuvor arbeitete sie bei SNCF Immobilier an Projekten des urbanisme transitoire und an der Entwicklung hybrider Orte an der Schnittstelle von Kunst, Kultur und Stadtentwicklung. Ihre Forschung und Praxis verbinden Kultur, Stadtplanung und neue Formen der Stadtentwicklung.

Ana Druwe ist Künstlerin und Kommunikationswissenschaftlerin und vertritt das Casa do Povo aus São Paulo. Sie war Kommunikationsleiterin der Casa do Povo, einem Kulturzentrum in São Paulo, und entwickelte dort kollaborative Publikations- und Kommunikationsformate, darunter die Zeitschrift Nossa Voz. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit partizipativer Kulturarbeit, institutionellen Praktiken und der Frage, wie kulturelle Institutionen als Räume gesellschaftlicher Teilhabe und gemeinsamer Wissensproduktion gestaltet werden können. 2025/26 ist sie Artist Fellow am LIAS – Leuphana Institute for Advanced Studies.

Kathrin Dröppelmann vom Dammweg 216 in Berlin ist Künstlerin, Architektin und Stadtforscherin. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, räumlicher Praxis und gesellschaftlichem Engagement. Sie beschäftigt sich mit Fragen von Eigentum, Gemeingütern, urbanen Räumen und kollektiver Raumaneignung. Seit 2024 ist sie als Projektleiterin und Community-Organisatorin am Dammweg 216 in Berlin-Neukölln tätig, wo sie gemeinsam mit Nachbar*innen, Künstler*innen und Initiativen Räume für Austausch, Lernen und kollektives Handeln entwickelt.

Tülây Güneș ist Architektin und Stadtforscherin. In ihrer Arbeit untersucht sie, wie Migration und gesellschaftliche Vielfalt den Stadtraum prägen und wie Fragen von Sichtbarkeit, Zugehörigkeit und Ein- und Ausschluss im urbanen Raum verhandelt werden. Einen besonderen Fokus legt sie dabei auf ein postmigrantisches Verständnis von Frankfurt-Höchst. An der TU Darmstadt promoviert sie zum Thema postmigrantische Perspektive auf Stadtentwicklung und die Diskrepanz zwischen migrantischen Alltagsräumen und Planungspraktiken.

Andrea Wieloch ist Kulturmanagerin und Medienwissenschaftlerin. Sie leitet den Bereich „Ausstellung, Dialog und Kultur“ am Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle (Saale). Seit vielen Jahren arbeitet sie zu Erinnerungskultur, Museumspraxis und ostdeutschen Perspektiven, insbesondere im ländlichen Raum. Zuvor leitete sie das Museum Utopie und Alltag in Eisenhüttenstadt und Beeskow. Weitere berufliche Stationen waren unter anderem das Deutsche Hygiene-Museum Dresden, das Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik Berlin, das Museum Weißenfels und das Brandenburg Museum in Potsdam.

12.30 Uhr: Mittagessen
13.30 Uhr: Workshop in Diskussionsrunden
14.30 Uhr: Visionen für den Bolongaropalast in einer Plenarsitzung im Sonnemann-Saal 
15.15 Uhr:  Schlusswort und Zusammenfassung vom Historischen Museum Frankfurt 

Teilnahme

Anmeldung über den Besucherservice erforderlich, Kosten betragen 25 €/ermäßigt 15 €, inklusive Verpflegung
Wer nur an der Abendveranstaltung am Do, 17. September, 19.30 Uhr teilnehmen möchte, möge sich auch bitte beim Besucherservice anmelden.
T +49 69 212-35154,

Orte / Adressen
Historisches Museum Frankfurt (Saalhof 1, Frankfurt - Altstadt) und Bolongaropalast (Zuckschwerdtstraße 1a, Frankfurt – Höchst).
Nur die Führungen durch den Bolongaropalast und das Abendprogramm am 17. September finden in Höchst statt.

Kontakt 
Konstantin Lannert, Kurator Bolongaromuseum
T +49 69 212-47775, konstantin.lannert@stadt-frankfurt.de

Presse 
Karin Berrío, Leitung Kommunikation, Historisches Museum Frankfurt
T +49 69 212-37776,  

Mehr Informationen

Wie kann ein demokratischer Kulturort funktionieren, der unterschiedliche kulturelle Angebote unter einem Dach vereint? Und wie kann ein historisches Gebäude zu einem Ort werden, der nicht nur Kultur präsentiert, sondern von unterschiedlichen Teilen der Stadtgesellschaft gestaltet und genutzt wird?

Auf dem Symposium präsentieren Kulturpaläste und verwandte Institutionen auf lokaler und globaler Ebene ihre unterschiedlichen Konzepte und Zukunftsmodelle. Gemeinsam mit Frankfurter*innen, Kulturschaffenden und Wissenschaftlern diskutieren sie über Herausforderungen und Potenziale dieser Kulturorte: über gemeinschaftliche Nutzung, kulturelle Teilhabe, institutionelle Offenheit und die Frage, wie sie auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren können. 

Beispiele nationaler und internationaler Kulturpaläste auf dem Symposium

Dammweg 216 in Berlin-Neukölln, ein gemeinschaftlich entwickelter Bildungs- und Kulturort, an dem Kunst, Bildung, Handwerk, Garten und Nachbarschaft zusammenkommen. 

Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle soll einen Ort für Begegnung, Bildung, gesellschaftliche Debatte und die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der deutschen Einheit und den Transformationsprozessen in Europa schaffen.

Das SESC-Netzwerk in Brasilien verbindet Kultur, Bildung, Sport, Freizeit und soziale Angebote in einer landesweiten Infrastruktur und versteht Kulturzentren als niedrigschwellige Orte des öffentlichen Lebens. Besonders bekannt ist SESC Pompeia in São Paulo. Hier verwandelte die Architektin Lina Bo Bardi eine ehemalige Fabrik in einen offenen Ort für gemeinschaftliche Nutzung.

Die Casa do Povo in São Paulo versteht sich als ein von verschiedenen Gruppen, Künstler*innen und sozialen Bewegungen genutzter und kontinuierlich weiterentwickelter Kulturort. 

Das Centquatre in Paris verbindet künstlerische Produktion und Präsentation mit frei zugänglichen Räumen, Bildung, Begegnung und alltäglicher Nutzung.

Das Centro Cultural Santo Domingo in Mexiko zeigt, wie ein historischer Klosterkomplex heute als kulturelles Ensemble mit Museum, Bibliothek, Garten, Ausstellungen und Veranstaltungen von der Öffentlichkeit genutzt werden kann.

Der erste Tag des Symposiums widmet sich der Theorie und Geschichte gemeinschaftlich genutzter kultureller Räume. Am Abend erhalten die Teilnehmer*innen bei Führungen durch den Bolongaropalast in Höchst Einblicke in die Baustelle und die denkmalgeschützte Architektur.

Am zweiten Tag des Symposiums stehen internationale und deutsche Praxisbeispiele im Mittelpunkt. In Panels und Werkstattgesprächen geht es um konkrete Erfahrungen mit kulturellen Orten, um institutionelle und gesellschaftliche Herausforderungen und die Frage, unter welchen Bedingungen Teilhabe möglich ist. Im anschließenden Workshop werden die verschiedenen Perspektiven zusammengeführt. Zum Abschluss sollen Bausteine für ein gemeinsames Manifest zum demokratischen Kulturpalast in Frankfurt-Höchst entwickelt werden, das nach der Veranstaltung veröffentlicht wird.

Der spätbarocke Bolongaropalast bietet dafür einen besonderen Ausgangspunkt.  Einst Ausdruck des Reichtums und gesellschaftlichen Einflusses seiner Bauherren, wird er heute grundlegend saniert und zu einem Bürger*innen- und Kulturzentrum für den Frankfurter Westen weiterentwickelt.  

Das künftige Museum entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Stadtgesellschaft. Die aktuelle Stadtlabor-Ausstellung „Höchst erzählt! Über das Museum im Bolongaropalast“ (bis 28.2.2027) macht diesen partizipativen Prozess bereits vor der Eröffnung sichtbar. Das Symposium gehört zum Rahmenprogramm der Ausstellung.

Einblicke