Zum Inhalt Zum Hauptmenü Zur Suche Zum Footer

31.10.2013-16.2.2014

Zum Altbauensemble des Historischen Museums gehört der Burnitzbau von 1848. Doch wer kennt dessen Namenspatron? Es ist sein Baumeister Rudolf Burnitz (1788-1849), dessen Sohn Heinrich (1827-1880) ebenfalls Architekt wurde. Obwohl sie zusammen für mehr als ein halbes Jahrhundert Frankfurts Stadtbild maßgeblich mitprägten, sind Rudolf und Heinrich Burnitz fast gänzlich in Vergessenheit geraten. Die Ausstellung würdigt nun erstmals und umfassend ihr Schaffen.

 Rudolf Burnitz realisierte als ersten Bau nach seiner Ankunft 1822 in Frankfurt das Metzlersche Palais in Bonames; für derartiges hatte er sich mit einem Fürstenschloss in Hechingen empfohlen. Schon wenige Jahre später wurde er dann mit den neuen Bauaufgaben der Bürgerstadt betraut – Waisenhaus, Krankenhaus und Altersheim im Auftrag von Stiftungen. Leider sind alle diese Bauten nicht mehr erhalten, wie auch sein Wohnhaus am Untermainkai.


Heinrich Burnitz errichtete ebenfalls Wohlfahrtsbauten, doch Karriere machte er in der sich schnell wandelnden Stadt vor allem mit Wohn- und Geschäftshäusern. Nur wenige seiner Werke sind erhalten, darunter zwei Häuser in der Kaiserstraße, der Vorzeige-Bauernhof Luisenhof der Rothschilds, sowie sein bedeutendstes - die Neue Börse (gemeinsam mit Oscar Sommer). Verloren sind repräsentative Wohnbauten, unter anderem für die Bankiersfamilien Metzler und Grunelius, ebenso wie der erste Frankfurter Saalbau.
Die Ausstellung kann sich im Wesentlichen auf das Burnitz-Konvolut des historischen museums stützen, das 2009 durch einen Teilnachlass aus der Familie ganz erheblich erweitert wurde. Bauten und Entwürfe werden anhand qualitätvoller, häufig kolorierter Originalzeichnungen präsentiert, ergänzt durch Fotografien und Modelle. Aus Sammlungsbeständen lassen sich auch die Ausbildungen der beiden Architekten rekonstruieren - mit Studienarbeiten, Fotografien und Reiseskizzen, vor allem aus Italien. Ausgewählte Beispiele repräsentieren zudem Rudolf Burnitz' Wirken für die Hechinger und Sigmaringer Hohenzollern-Fürsten.
  
Die Ausstellung bietet einen differenzierten Einblick in die hiesige Baugeschichte des 19. Jahrhunderts vom Klassizismus zum Historismus. Durch Thematisierung der Bauherren und Einbettung in die Stadtentwicklung vermittelt sie ein über die Architektur hinaus gehendes Bild Frankfurter Geschichte jener Zeit. Es erscheint ein umfangreicher Katalog. Die Ausstellung wurde kuratiert von Michael Stöneberg.

24.3.2013-4.7.2013

Gemütlicher Dorfkern, moderne Wohnblocks: Ginnheim ist ein vielseitiger, ambivalenter und multikultureller Stadtteil Frankfurts.

Die dritte Ausstellung aus der Reihe Stadtlabor unterwegs näherte sich der Frage, wie es sich hier wohnt - in „G-Town, im Wohnzimmer Ginnheim”. In 18 Beiträgen zeigten ehrenamtliche Co-Kurator/innen und rund 200 Mitwirkende, wie sie ihren Stadtteil sehen. So entstand nicht nur ein Brückenschlag zwischen Alt- und Neu-Ginnheim, sondern auch eine Verbindung zwischen Ausstellungsmachern und Besuchern. Denn diese Ausstellung war vor allem eine Einladung zum Teilhaben, Vernetzen und Weiterdenken.

Weitere Materialien 

Projektblog
Dokumentation

 

Der Stadtteil – Vielfalt an Wohnformen

Der Stadtteil Ginnheim bietet sich für eine solche vielschichtige Betrachtung an, denn er zeichnet sich durch heterogene Siedlungs- und Bevölkerungsstrukturen aus: 15.000 Menschen aus aller Welt wohnen hier, sei es im historischen Dorfkern mit seinen Fachwerkhäusern, traditionsreichen Gaststätten und Familienbetrieben, sei es in der von Ernst May geplanten Siedlung am Höhenblick oder der Platensiedlung. In letzteren, 1955 errichteten „Housings” lebten die in Frankfurt stationierten US-Truppen und deren Familien, nach dem Abzug der Alliierten zogen hier viele neue Familie ein, rund 50% von ihnen sind Migrant/innen. Mit einem für Frankfurt überdurchschnittlichen Anteil von Bewohner/innen deutscher Nationalität mit Migrationserfahrung und einem Ausländeranteil von ca. 25% ist in Ginnheim Transkulturalität Alltag.

Die Einzelbeiträge

Die Ausstellung setzte sich aus Einzelbeiträgen verschiedener Co-Kurator/innen und Kooperationspartner/innen zusammen: Der Geschichtsarbeitskreis setzte sich mit einzelnen, historisch besonders interessanten Wohnbauten auseinander, wie dem 1913 errichteten „Roten Block” oder mit Häusern, die – gestern wie heute – Wohnen und Arbeiten unter einem Dach vereinen.
Wie Kinder und Jugendliche ihren Stadtteil erleben und sich mit ihrer Umgebung auseinandersetzen, wurde in den Beiträgen von Kindertagesstätten und Jugendzentren thematisiert. Die Astrid Lindgren-Schule führte eine Projektwoche zur „Straße, in der ich wohne” durch. Die Kinder dreier Tagesstätten dokumentierten, welche Orte bzw. Unorte für sie im täglichen Erleben eine Rolle spielen. Der aus den Reihen der Projektteilnehmer/innen geäußerte Wunsch nach einer stärkeren Vernetzung der Bewohner/innen aus den einzelnen Siedlungen wurde damit aufgegriffen und umgesetzt. Der Brückenschlag zwischen Alt-Ginnheim und Neu-Ginnheim wurde dadurch realisiert und auch im Rahmenprogramm weitergeführt.
 
Eine wichtige Rolle im Kontext „Wohnen” spielt auch das Thema Essen: Gemeinsames Kochen und das Erzählen von länderspezifischen Essgewohnheiten und Rezepten fanden sich in Ausstellungsbeiträgen des Jugendzentrums und der Astrid Lindgren Schulbetreuung. Neue Kontakte zwischen Ginnheimer/innen verschiedener Herkunft und Wohnlage konnten so hergestellt und vertieft werden.
Unter dem Dach des in Ginnheim angesiedelten Bundesverbands der Migrantinnen haben sich verschiedene Gruppen zusammengefunden, die sich mit eigenen Beiträgen an der Ausstellung beteiligen werden. Die Frauen setzten sich auf künstlerische oder dokumentarische Art mit den feinen Unterschieden zwischen Wohnung, Heimat und Zuhause auseinander und reflektierten, welche Rolle ihre spezifische Wohnsituation dabei spielt.
Die Zukunft Ginnheims war der Gegenstand von Beiträgen, in denen es um die geplante Nachverdichtung im Stadtteil ging  sowie um Urban Gardening als Form der aktiven Aneignung und Gestaltung des eigenen Lebensraums.

Kooperationspartner und Co-Kuratoren

Nachbarschaftszentrum Ginnheim (Initiator), Abenteuerspielplatz Colorado Park, Astrid Lindgren Schule, Astrid Lindgren Schulbetreuung, Bundesverband der Migrantinnen e.V., Break 14, Caritas Frankfurt, Deutscher Museumsbund, Evangelische Bethlehemgemeinde, Freies Schauspiel Ensemble Frankfurt, Gasthaus Adler, Geschichtsarbeitskreis Ginnheim, Grünflächenamt Frankfurt am Main, Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, FB Architektur und Bauingenieurwesen, jan & jan architektencooperation, Jugendzentrum Ginnheim, KiTa Morgenstern, Kulturmobil, KulturRegion Frankfurt Rhein/Main, KiZ 23, KiZ Am Wiesenrain, Literaturhaus Frankfurt, Nachbarschaftsbüro Franz Werfel Straße, Ortsbeirat 9, Sancta Familia, Schülerladen Roter Drache, Geldmuseum der Deutschen Bundesbank, TSV Ginnheim, Wuselvilla, Einzelpersonen.
Ausstellungsort: TSV Ginnheim, Am Mühlgarten 2, 60431 Frankfurt am Main

2.5.2013–15.9.2013

„Der Gastarbeiter” ist die zentrale Figur in Drago Trumbetaš' künstlerischem Schaffen. In seinem umfangreichen zeichnerischen und literarischen Werk hat sich der kroatische Maler, Grafiker und Autor immer wieder mit der schizophrenen Situation der „Gäste, die arbeiten” auseinandergesetzt. Der gelernte Schriftsetzer Dragutin Trumbetaš kam 1966 nach Frankfurt. Er lebte lange Jahre in einer Dachwohnung im Sandweg. Von dieser ebenso exponierten wie auch isolierten Lage aus dokumentierte er in einem eigenwilligen künstlerischen Stil die Situation der Gastarbeiter in Frankfurt und liefert damit gleichzeitig auch eine kritische Sicht auf die Stadt.

„Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen.” Diese viel zitierte Feststellung des Schriftstellers Max Frisch bringt das Dilemma im Umgang mit den – damals so genannten – Gastarbeiter auf den Punkt: Sie sollten ihre Arbeit möglichst unsichtbar und geräuschlos erledigen, idealerweise jederzeit austauschbar sein und möglichst keine Spuren in der bundesrepublikanischen Gesellschaft hinterlassen. Max Frischs Diktum könnte auch paradigmatisch über dem zeichnerischen und literarischen Werk des Drago Trumbetaš stehen: Er reklamiert für sich die Position eines unbestechlichen Beobachters, der das Leben der Gastarbeiter in Frankfurt dokumentiert.

Auch wenn seine Zeichnungen immer wieder das Privatleben in den Mittelpunkt rücken, so sind sie doch weit entfernt von behaglichen Milieuschilderungen. Trumbetaš macht das sichtbar, was die damalige Gesellschaft nicht sehen wollte: die oftmals unzumutbaren Lebensbedingungen in den Baracken und Mansarden oder den Familienalltag in kleinen, überteuerten Wohnungen, wo sich alle Lebensbereiche auf kleinstem Raum abspielen. Zugleich offenbart er mit seinem „fremden Blick” auch, wie sich Frankfurt den Neuankömmlingen präsentierte: eine kalte, steinerne und geschäftige Stadt, die von Straßen, Autos und Reklame dominiert wird.
Die Ausstellung umfasst ca. 30 Collagen, die aus Zeichnungen, Fotografien und Zeitungsausschnitten bestehen und Szenen aus Arbeit und Freizeit zum Thema haben. Die Collagen werden ergänzt durch Drago Trumbetaš' „Gastarbeiterbude”: Trumbetaš hat sämtliche Möbel und Gegenstände, mit denen sein ca. 12 qm großes Dachzimmer im Sandweg ausgestattet war, aufbewahrt, so dass das Zimmer originalgetreu wiederaufgestellt werden kann. Ein weiterer Teil der Ausstellung ist seinen druckgrafischen Werken gewidmet, die in den 1970er und 80er-Jahren in mehreren Editionen aufgelegt wurden.
 

12.9.2012-24.2.2013

Großvater hörte immer sehr laut Radio, Großmutter sah ein bisschen aus wie eine Wurst; Opa ist früh gestorben und bei der Oma hat es im Badezimmer immer so eigenartig gerochen. Erinnerungen an Großeltern sind zunächst Kindheitserinnerungen an alte Menschen. Was aber wissen wir von früher, als die Großeltern jung waren? Sie sind unsere persönlichste Verbindung in eine Vergangenheit, die wir nur aus Filmen und Büchern kennen. Aber wie lebten und liebten die Grosseltern in jener Zeit? Und, was ist uns davon geblieben?

 Seit gut zwei Jahren bittet der Künstler Mats Staub Generationen von Enkelinnen und Enkeln zum Gespräch und sammelt Bilder und Geschichten von deren Großeltern. Sein „Erinnerungsbüro” ist von Stadt zu Stadt unterwegs – dabei entstehen ein ständig wachsendes, internationales Archiv subjektiver Geschichten und eine Sammlung von Fotografien, die die Großeltern in jungen Jahren zeigen. Eine Auswahl aus diesem reichhaltigen Fundus wird von Mats Staub ab September als Audio-Ausstellung im historischen museum frankfurtpräsentiert.


 „Meine Großeltern” blickt auf die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, aber die Enkelinnen und Enkel erzählen nicht als Zeitzeugen, sondern von einer Zeit, die sie nur vom Hörensagen kennen – sie konstruieren eine Erzählung aus ihren Erinnerungen an Erzählungen. Die Audio-Installationen führen in einen Kosmos spannender und spekulierender Geschichten - und sie stellen zugleich persönliche Fragen nach Herkunft und Identität, Erinnern und Vergessen, Legende und Wahrheit.

Ein Langzeitprojekt von Mats Staub
 

27.9.2013-7.4.2014

Der Zweite Weltkrieg verwüstete nicht nur Europa, sondern auch weite Teile der Dritten Welt. Allein China hatte mehr Tote zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen. Die Ausstellung erinnerte daran mit Fotos, Objekten, Texten, Video- und Hörstationen sowie an die Einsätze von Millionen (Kolonial-)Soldaten aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika, die auch in Europa in vorderster Front kämpften, um die Welt von Naziterror und japanischem Großmachtwahn zu befreien.

 Kaum eine Epoche der Zeitgeschichte scheint so gut erforscht, medial aufbereitet, in den Schulen behandelt wie der Zweite Weltkrieg – und dennoch gibt es noch weiße Flecken im Geschichtsbewusstsein: Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen Nationalsozialismus, vom italienischen Faschismus und vom japanischen Großmachtwahn zu befreien.
 
Allein Indien stellte 2,5 Millionen Kolonialsoldaten und China hatte mehr Opfer zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Japanische Militärs verschleppten zudem Hunderttausende Frauen aus Asien in ihre Frontbordelle. Rekruten aus den Kolonien, ob Freiwillige oder Zwangsverpflichtete, mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre „weißen” Kameraden zufrieden geben.


  
Weite Teile der Dritten Welt – von Nordafrika über den Nahen Osten und Indien bis nach Südostasien und Ozeanien – dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück. Bei der Befreiung der philippinischen Hauptstadt Manila von den japanischen Besatzern starben mehr Zivilisten als in Berlin, Dresden oder Köln. Die Kolonien der kriegführenden Mächte mussten zudem Nahrungsmittel für die kämpfenden Truppen und Rohstoffe für die Rüstungsproduktion liefern. Oft hungerte deshalb die einheimische Bevölkerung.
  
Auch das NS-Regime bezog kriegswichtiges Material aus den französischen Kolonien in Afrika und Indochina, die unter der Kontrolle der Kollaborationsregierung in Vichy standen. Die Nazis wollten nach der Unterwerfung Osteuropas zudem ein Kolonialreich in Zentralafrika erobern und über Nordafrika in den Nahen Osten vorstoßen. Auch Hunderttausende Juden in dieser Region mussten deshalb um ihr Leben fürchten. 1942 landete ein SS-Kommando in Tunesien, das die Juden im besetzten Nordafrika vernichten sollte, und noch im chinesischen Shanghai sahen sich Zehntausende jüdische Flüchtlinge von Gestapo-Verfolgern bedroht. In der Dritten Welt gab es allerdings nicht nur Opfer, sondern auch Kollaborateure der faschistischen Achsenmächte, von Nordafrika und Palästina über den Irak und Indien bis nach Thailand und Indonesien. Wer weiß schon, dass 3000 Inder auf Seite der deutschen Wehrmacht gegen die englischen Kolonialherren kämpften?
  
Begann der Zweite Weltkrieg tatsächlich am 1. September 1939? Oder gehört dazu nicht auch schon die Eroberung Äthiopiens durch italienische Kolonialtruppen ab dem Herbst 1935 oder der japanische Vernichtungskrieg gegen China, der im Sommer 1937 begann und für den in der chinesischen Erinnerung das Massaker von Nanking steht?
  
Vom 27. September 2012 bis zum 7. April 2013 war die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg”, die vom Verein Recherche International und dem Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln erarbeitet wurde, im historischen museums frankfurt zu sehen. Eigens für Frankfurt waren Relikte und Objekte dazu gekommen, die auf diese weitgehend unbeachtete Vergangenheit verweisen, und die Video- und Hörstationen wurden um einen Frankfurt-Bezug ergänzt. Denn auch hier wohnen Nachfahren derjenigen, die vor 70 Jahren den Zweiten Weltkrieg aus einer nicht-europäischen Perspektive erlebten. Die Geschichten aber, die sie zu erzählen haben, waren bislang kaum zu vernehmen.
  
Dazu gehört etwa die Hiphop-Tanztheater-Gruppe „Mémoires Vives” aus Frankreich, die zu Vorführungen ihres Stücks „A Nos Morts” eingeladen waren. Ihre Hommage an die vergessenen Kolonialsoldaten wird unter dem Titel „Die vergessenen Befreier” in deutscher Fassung (mit Obertiteln auf Videoscreen) aufgeführt.
Im Begleitprogramm liefen darüber hinaus Filme, Lesungen, Vorträge und Führungen. Seminare für Jugendliche und Lehrerfortbildung wurden in Kooperation mit dem Pädagogischen Zentrum des Jüdischen Museums und des Fritz Bauer-Instituts sowie mit den hessischen UNESCO-Projektschulen angeboten.


Weitere Informationen auf der Ausstellungshomepage 
 

18.8.2013-31.3.2013

Die erste Kabinettausstellung des Historischen Museums im Obergschoss der Stauferkapelle im Saalhof widmet sich Objekten aus einem ganz besonderen Stoff: Dingen aus Kunststoff aus der Sammlung Eva Stille.

 Kunststoff fand zu Beginn des 20. Jahrhunderts Eingang in den deutschen Sprachgebrauch: das Organ deutscher Kunststoff-Fachverbände propagierte ihn in der Zeitschrift „Kunststoffe”. Gemeint waren damit die Materialien, die aus chemisch umgewandelten Naturstoffen neu entstanden oder ganz synthetisch hergestellt wurden. Heute ist Kunststoff nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken – und wird zuweilen als übermäßige Belastung empfunden, da manche Kunststoffe die Umwelt nachhaltig schädigen.
 
Das war nicht immer so: Vor über 140 Jahren begannen sich die künstlich hergestellten Materialien durchzusetzen. Ob Knöpfe oder Gürtelschnallen aus Galalith oder Celluloid – die neuen Stoffe boten günstige Alternativen zu Naturstoffen wie Elfenbein oder Perlmutt. Gegenstände aus Kunststoff durchdrangen im großen Stil den Alltag und verbreiterten den Kreis der gesellschaftlichen Teilhabe an nützlichen und schönen Dingen. Mit der Weiterentwicklung der Kunststoffe konnten ganz eigene ästhetische Kategorien in der Konsum- und Warenwelt begründet werden. Auch aus dem Bereich der technischen Erfindungen sind Stoffe wie Bakelit nicht wegzudenken. Kurzum: Kunststoffe eroberten im 20. Jahrhundert unsere Gesellschaft.


 
Die Sammlung von Eva Stille bildet die Faszination ab, die von den neuen Materialien ausgingen und noch heute ausgehen: die bunte Vielfalt von Alltagsgegenständen vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in die Anfänge des Kunststoffzeitalters. Die mehr als 600 Objekte gehören seit 2009 zum historischen museum frankfurt; in der Ausstellung zeigen wir eine Auswahl von über 130 Exponaten. Als Sammlerin war die Wahlfrankfurterin zugleich Kuratorin, denn sie widmete sich auch der Erforschung der Objekte, um damit Ausstellungen für und mit Museen zu realisieren. Bereits ab 1960 begann die Eva Stille, systematisch Sammlungen von alltagsgeschichtlichen Objekten aufzubauen – oft auch auf Flohmärkten. Sie spezialisierte sich auf Bereiche wie Spielzeug, Mode und Hausarbeit, Christbaumschmuck und eben frühe Kunststoffe.
 
Mit dem historischen museum frankfurt verbindet Eva Stille eine langjährige Zusammenarbeit in gemeinsamen Ausstellungsprojekten, die schließlich auch zur ersten Kabinettausstellung führte. Die Ausstellung zur Kunststoffsammlung Stille bildet den Auftakt einer Reihe, die in regelmäßigen Abständen weitere Sammler/innen vorstellt. Die Kabinettausstellungen sind auf diese Weise eng verbunden mit der großen Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter”, die zwölf unterschiedliche Frankfurter Sammlerpersönlichkeiten sowie ihre zeittypischen Vorlieben des Sammelns vorstellt: sei es das Sammeln als Weltaneignung, zur bürgerlichen Repräsentation oder wie hier bei Eva Stille, als kuratorisches Handeln.
 

Zur Ausstellung ist eine Broschüre erhältlich

Frühe Kunststoffe. Die Sammlung Eva Stille.
1. Kabinettstück des historischen museums frankfurt, 2012.
Für 2 Euro ist sie im Museumsshop erhältlich.

9.5.2012-16.9.2012

Erste Schwimmversuche, große Liebe oder eingeschworene Freundeskreise. Mit dem Stadionbad verbinden sich schon immer Erinnerungen an sommerliche Erlebnisse. Seit fast 90 Jahren ist das Bad ein wichtiger Ort für viele Frankfurter/innen. Die zweite Ausstellung des partizipativen Ausstellungsformats stadtlabor unterwegs brachte Erfahrungen und Erinnerungen von Badegästen zum Vorschein und erzählte die lange Geschichte des ältesten Freibads von Frankfurt.
Die Ausstellung

Die Ausstellung wurde von einer kleinen Gruppe passionierter Frühschwimmer, den Freunden des Stadionbades e.V. initiiert. Über einen Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren fanden Treffen statt, um gemeinsam thematisch, inhaltlich und organisatorisch zu arbeiten. Die Ausstellung wurde im Niederräder Freibad Stadion, auf 58.000 m² Gelände und in den Schwimmbecken unter Wasser gezeigt.
Der partizipative Gedanke sollte bei diesem Projekt besonders während der Laufzeit der Ausstellung in der Badesaison 2012 umgesetzt werden: Es wurden einige Elemente der Beteiligung integriert, die die Bad- und Ausstellungsbesucher dazu anregten, direkt und unmittelbar, aber auch über das Web ihre persönliche Sicht und ihre Geschichte in die Ausstellung zu integrieren. Das heißt, die Ausstellung selbst forderte die Besucher zur Partizipation auf und ließ sie zu Akteuren werden. 

 

Die Inhalte

Die fast 90-jährige Geschichte des Bads sollte wieder lebendig gemacht werden. Die lange Geschichte des Orts wurde den Besucher/innen des Freibads in einer Chronologie nahegebracht. 
Einer Sammlungsaktion waren Erinnerungsstücke wie etwa Freischwimmerausweise und Bilder zu verdanken. Filminterviews mit Erinnerungen an das Freibad der 1930er bis 1980er Jahre ergänzten den historischen Teil. 
Der zweite Ausstellungsschwerpunkt lag auf der Arbeit, die hinter den Kulissen des Freibads täglich geleistet wird. Ein exemplarischer Tagesablauf stellte die Arbeit der Mitarbeiter/innen in den Mittelpunkt. Einen ganzen Tag von 5 Uhr bis 22 Uhr wurden die Mitarbeiter/innen des Stadionbads bei ihren Arbeitsschritten begleitet und ihre Tätigkeiten dokumentiert. Exemplarisch wurde damit gezeigt, welche Mühe und Technik notwendig sind, um das Freibad und die 52.900 m2 große Anlage in Betrieb zu halten. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiter/innen des Stadionbads gestaltete sich im Lauf der Monate sehr eng, nicht zuletzt, da die Ausstellung an ihrem Arbeitsort stattfand. 
Drittens kamen die Badegäste selbst zu Wort. Wir wollten wissen, wie deren Gewohnheiten aussehen und wo ihre Lieblingsorte sind. Ausgehend von kleinen Interviews, die im Sommer 2011 geführt wurden, entstand im Lauf der Zeit eine „Typologie der Schwimmer”. Insgesamt fünf Stadionbadtypen wurden in der Ausstellung vorgestellt: Wasserratten, Sonnenanbeter, Turmspringer, Poser und Frühschwimmer. In der Badesaison 2012 waren wir außerdem auf der Suche nach weiteren Schwimmbadtypen.
 
Das Rahmenprogramm
Ein vielseitiges Rahmenprogramm begleitete und ergänzte die Ausstellung, griff unterschiedliche Aspekte auf und vertiefte sie. Im Angebot waren Führungen zur Geschichte des Stadionbads und Gänge durch die Technik unter den Schwimmbecken; Außerdem gab die Interviewstation im Stadionboot mittwochs die Gelegenheit, die Ausstellung mit all ihren Perspektiven zu erfahren. Auch der sportliche Besucher kam nicht zu kurz: Unterwasserfotos und Schnuppertauchen ließen kaum Wünsche offen. Ebenso wichtig war es, die Stimmen derjenigen einzufangen, die zu den Hauptnutzer/innen des Bades gehören: Kinder und Jugendliche! In einer Projektwoche mit der JKWF im Juni 2012 wurden daher neue Ausstellungsinhalte erarbeitet, die in der Ausstellung ergänzt wurden.

Die Gestaltungsprinzipien 

Studierende der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Gestaltung unter der Leitung von Prof. Ursula Gillmann erarbeiteten über zwei Semester mit großem Engagement die Gestaltung der Ausstellung. Insgesamt 16 angehende Gestalter/innen aus den Bereichen Grafik und Produktdesign arbeiteten an der der Ausstellung mit. Es wurde vor allem Wert darauf gelegt, das gesamte Schwimmbadgelände in die Ausstellung einzubeziehen und bereits vorhandene Ressourcen zu nutzen. So wurden die Mülltonnen zum Blickfang oder der Sprungturm zum Ausstellungsstück. Außerdem sollte einst Vorhandenes wieder sichtbar gemacht werden. Eine besondere Herausforderung stellten die Sicherheitsbedingungen des Schwimmbads und der Denkmalschutz für die Gestaltung dar, weshalb äußerst bedacht mit dem Ort und seinen Nutzer/innen umgegangen werden musste. Auch die übrigen Ausstellungselemente sollten sich ganz natürlich in ihre Umgebung einfügen und damit einen neuen Blick auf das Gewohnte ermöglichen.

Ausstellungsort

Freibad Stadion,
Mörfelder Landstr. 362,
60528 Frankfurt am Main 

Ausstellungsimpressum

Die Ausstellung ist eine Produktion des stadtlabor unterwegs und wurde initiiert durch die Freunde des Stadionbads e.V., gestaltet durch Studierende der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Gestaltung und realisiert als Kooperationsprojekt mit der BBF GmbH, dem Eintracht Frankfurt Museum, der Jugend-Kulturwerkstatt Falkenheim Gallus e.V. und der Kinder- und Jugendkulturwerkstatt Break 14, Niederrad.
 
Gesamtleitung: Jan Gerchow
Projektleitung: Susanne Gesser
Kuratorin: Sonja Thiel
Museumsteam: Angela Jannelli, Katja Weber
Co-Kuratoren: Sunna Gailhofer, Guido Leson, Frauke Schulz, Matthias Thoma, Alexander Urban, Petra Voll
Leihgeber/innen: Thomas Bauer, BBF GmbH, Dieter Church, Andrea Dauth, Eintracht Frankfurt Museum, Ursula Mahner, Modehaus August Pfüller, Gudrun Thomale
Zeitzeug/innen: Ernst Czaronek, Uzit Dagan, Bernd H., Eldrid & Dorothee Kallenbach, Karl Kraus, Kurt Kraus Helmut Mühlmann, Klaus Dieter Fischer, Feli Gürsching, Gerhild Kirschner, Ursula Mahner & Barbara Steinmark, Ernst G. Straub, Irmgard Walther-Zeising, Renate Wirth (†).
Interviewpartner/innen 2011/12:
Ahmad&Navin&Yanina, Aki, Alex, Anna, Matthias Aul, Silvie Bitter, Björn, Heiner Börger, Simone Bremicker, Clemens, Christian, Christoph, Dennis, Dirk, David & Lukas Drexler, Georg Graf Vitzthum von Eckstädt, David Günther, Florian Auer, Florian Gutbrod, Fam. Groenecke, Maria Heinrich, Linda & Tanita Henrich, Fred Herbst, Michael Hinz, Inka, Jan, Johannes, Johannes, Stefan Junk, Derkan Kamyshev, Emma & Roger Kiem, Ralf Kreuzmann, Manu & Isabell Kunze, Lars, Lorenz, Veronika Loth-Markmiller, Moritz Meder, Edda Niedermayer, Alexander Nikolopoulos, Laura Padgett, Lutz Otto, Regina, Paul und Ole Rissmann, Steffen, Steven, Syle, Tobi, Tobias, Ümit, Vera, Michael Vukelic, Zwi Wasserstein, Joachim Wegmann, Yannic
Team der BäderBetriebe Frankfurt GmbH:
Hans Peter Adam, Benjamin B., Artur Borack, Petra Krebs, Bernd Nauheimer, Christian Treu
Gestaltung:
Studierende der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Gestaltung, Prof. Ursula Gillmann.
Entwürfe Wintersemester 2011/2012:
Alexander Brade, Ferdinand Drechsel, Tomke Fertig, Malte A. Frischemeier, Ekin Gülhan, Janina Halbig, Laura Sofie Hantke, Maria Katharina Hofmann, Rebecca Jopski, Nicole Lössner, Carmen Mauerer, Stefanie Müller, Philipp Ostermann, Paola Fernández Pio, Sara Spoerecke, Gordon Wehowsky
Realisation Sommersemester 2012:
Ferdinand Drechsel, Tomke Fertig, Janina Halbig, Rebecca Jopski, Nicole Lössner, Stefanie Müller, Philipp Ostermann, Paola Fernández Pio, Sara Spoerecke, Gordon Wehowsky
Irem Kurt/Zeitzeugenfilm
Fotografische Begleitung der Ausstellung:
Katrin Streicher, www.katrinstreicher.com 
Rahmenprogramm /Vernissage
Kinder- und Jugendkulturwerkstatt Break 14: Aicha Bakhecha, Swantje Dahlen, Houda Hach - Mimon, Verena Halbe, Lesly Luzolo, Cordula Roth, Florian Wäldele, Isabell Weisgerberg, Valentina Weisgerberg, Cornelia Zippel.
Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim Gallus e.V.: Georg Bachmann, Julia Isterling, Anne Jacoby Inmaculada Cuadrado Luque, Petra Väth
Georg-August Zinn Schule: Anja Hondelmann & Veli-Eren Beyaz, Marco Bruch, Lorena Di Rosa, Sabrina Esteves-Alturas, Gocobija Hamza, Eleni Gotzivelaki, Yasemin Hamankhail, Mehmet Hoplamaz, Icöz, Buse, Illunga, Elie, Usamah Ishtiaq, Gariijs Jegorovs, Yasmin Jiab, Arnold Klein, Alina Krolov, Simona Leikute, Lukas Moscato, Amira Naoir, Jennifer Pless, Alisa Saban, Daniel Sakyi, Steven Schmalhofer, Sahra Scholz, Lisa Shala, Nikolina Varsamis, Florian Walch, Alessia Zappietro
Emanuel Müller & die Synchronschwimmer des Frankfurter Volleyball Vereins
Susanne Beyer, Anke Rubien & Wasserspringer des Höchster Schwimm Vereins
Michael Müller, BäderBetriebe Frankfurt GmbH
Inge & Jogi Schricke, Tauchschule Diver's pro World GmbH
Herzlichen Dank an die übrigen Mitwirkenden: Stephan Bauer, Thomas Bauer, Gabriela Betz, Martin Bruch, Benedikt Burkard, Martha Caspers, Nina Gorgus, Carolin Jaeger, Heike Kaiser, Monica Kingreen, Christian Peukert, Emma Spelman, Gudrun Thomale, Christian Väth, Horst Ziegenfusz

Mit freundlicher Unterstützung von

Bionade/ Radeberger
Freunde & Förderer des Historischen Museums 
Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main
Schöller
Fraport

30.4.2011-25.6.2011

Wie erleben Bewohner und Besucher das Ostend? Was verbindet sie mit dem Stadtteil? Wie war es früher? Und wie wird es werden? Da auf diese Fragen ein Museum allein keine Antwort findet, hat das Stadtlabor unterwegs des historischen museums all diejenigen eingeladen, die etwas zu diesen oder anderen Fragen rund um die Veränderungen des Ostends beitragen wollten und gemeinsam mit ihnen eine ungewöhnliche Ausstellung realisiert.

Über 100 Menschen aus dem Viertel und Menschen, die sich aus persönlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen mit dem Stadtteil beschäftigen, richteten mit ihren Ausstellungsbeiträgen abwechslungsreiche Blicke auf das Ostend. Bewohner, Künstler, Stadtteilhistoriker, Einzelhändler, Jugendarbeiter, Kulturschaffende, Galeristen, Hobby- und Profifotografen, Lehrer, Studenten der Stadtplanung und Performance-Künstler zählten zu den Mitwirkenden. Sie alle sind direkt oder indirekt an der Gestaltung des Stadtteils beteiligt und zeigten in der Ausstellung ihre Perspektiven auf das Viertel jenseits von Typisierungen in seiner ganzen Vielschichtigkeit, Aktivität und Ambivalenz. Auf 620 Quadratmetern boten 38 Ausstellungsbeiträge eine Auseinandersetzung mit einem der vielschichtigsten und vitalsten Stadtteile Frankfurts. Wie das Leben im Ostend selbst, standen die Beiträge thematisch nicht immer streng beieinander, sondern widersprachen, ergänzten und kommentierten sich gegenseitig.


 

Gentrifizierung im Ostend

Das Ostend erfährt seit geraumer Zeit einen Aufwertungsprozess, der nicht nur auf die Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben in der Hanauer Landstraße und den bevorstehenden Zuzug der Europäischen Zentralbank in die ehemalige Großmarkthalle zurückzuführen ist. Bereits Ende der 1980er Jahre beschlossen die Frankfurter Stadtverordneten ausgewählte Gebiete zu sanieren, den Verkehr zu beruhigen, Erholungs- und Freizeitorte zu schaffen, Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen anzusiedeln und die soziale Infrastruktur zu verbessern. In diesen Jahren war es außerdem ein anziehender Ort für nicht etablierte Kunst und Kultur, deren Weiterentwicklung sich nun in der Ansiedlung von Galerien und Werbeagenturen zeigt. All diese städtebaulichen Entwicklungen steigern den Wert des ehemaligen Industrieviertels und führen zu einem sozialen Umstrukturierungsprozess, der uns zu der Frage führte: Wie gehen die Menschen mit den Veränderungen im Stadtteil um, die immer auch persönliche Bewegung und Umbruch bedeuten?
 

Stadtlabor unterwegs

Für rund sechs Wochen standen wir mit unserem mobilen Projektbüro in einem rot-weiß gestreiften Bauwagen auf dem Osthafenplatz an der Hanauer Landstraße. Dort, wo sich das Erscheinungsbild des Stadtteils seit Jahren stetig wandelt, war er gleichzeitig ein Blickfang im Ostend und Symbol für den Wandel des Stadtteils gewesen. Als mobiles Stadtlabor stand er offen für Ausstellende, Anwohner und Passanten, die hier an der Ausstellung mitarbeiten und über die Entwicklung des lebendigen Stadtteils sprechen konnten. Er war auch Sammelstelle für persönliche Erinnerungsstücke, die etwas über das Eigenheiten des Viertels zu erzählen hatten. Eine Vielzahl von Leihgaben, darunter Fotos, Postkarten mit historischen Ansichten, Zeitungsartikel und ungewöhnliche Alltagsdinge, fanden auf diese Art den Weg in die Ausstellung.
 

Das Kontorhaus als Ausstellungsort

Realisiert wurde die Ausstellung im Ostend auf einer 620 qm umfassenden, leerstehenden Fläche in einem ansonsten gut vermieteten Bürogebäude. Das sog. Kontorhaus entstand 2004 direkt am Hafenbecken des Osthafens und verkörpert paradigmatisch den Wandel des Viertels vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort.
 

Jenseits der Hanauer Landstraße

Begleitend zur Ausstellung haben Bewohner und Stadtteilkenner einen Stadteilplan entwickelt. Darauf haben sie zum einen Orte verzeichnet, die architektonisch, sozialgeschichtlich, städtebaulich, kulturell oder industriell bemerkenswert sind. Zum anderen wollten die Macher mit den Routen auch auf Abwegiges, Komisches und natürlich Gewachsenes aufmerksam machen. Denn gerade dies macht den besonderen, in offiziellen Darstellungen oft übersehenen Charakter des Ostends aus. Die sechs Touren sind als Angebot gedacht: Die eingezeichneten Orte können auch jenseits der vorgeschlagenen Routen erkundet werden, um dabei Neues, Schönes, Bizarres zu entdecken. 

Ausblick

OSTEND // OSTANFANG war Auftakt für das „Stadtlabor” des HMF, das auch in Zukunft gemeinsam mit Menschen aus der Stadtgesellschaft Ausstellungen zu aktuellen Themen im städtischen Raum realisieren wird.

Stadtlaboranten

Aaron Albinus // Student FH Frankfurt
Göksel Arslan // Bewohnerin
Edgar Bönisch // Bibliothek der FH Frankfurt
Barbara Caspari // Uhlandschule
Dieter Church // Sammler
Markus Dinig // spez.lab
Michael Eckstein // antagon theaterAKTion 
Ximena Aburto Felis // spez.lab
Steve Falk // R.I.C.E.
Annette Gloser // Galerie Fruchtig
Jasmin Grünewald // spez.lab
Raul Gschrey // spez.lab
Feli Gürsching // Bibliothek der Alten
Cornelia Heier // Künstlerin, Fritz deutschlanD e.V.
Gisa Hillesheimer // Künstlerin
Markus Hübner // Kommunikationsdesigner
Jochen Ickert // Verkehrsplaner
Ingeborg Joachim // Bibliothek der Alten
Aviva Kaminer // Studentin Uni Frankfurt
Stefanie Kösling // Fotografin
Theresa Krack // Studentin FH Frankfurt
Tabata Kunze // Agentur TOPCOM
Dominik Landwehr // Künstler
Jonathan Leuschner // Initiative 9. November e.V.
Bernd Metz // spez.lab
Stefan Mohr // Jugendladen Bornheim 
Anja Olschewski // Studentin FH Frankfurt
Stefanie Oslang // Arty Chock
Alexander Otto // Fotograf
Hans-Joachim Prenzel // Stadtteilhistoriker
Achim Ripperger // MOOD! Communications GmbH
Jutta Saas // Künstlerin
Frederike Satvary // Metzgerei Gref-Völsings 
Karoline Schmidt // Künstlerin
Larissa Schmitt // antagon theaterAKTion 
Lisa Schwarm // Internationales Familienzentrum e.V.
Michael Spangenberg // BMX-Shop Deepend
Jan Stüben // spez.lab
Elisabeth Uhlemann // Fotografin
Verena Wolf // Studentin Uni Frankfurt
Anna Willich // Internationales Familienzentrum e.V. 
Wolf von Wolzogen // Bibliothek der Alten
Irina Zikuschka // spez.lab
Gesamtleitung
Jan Gerchow // historisches museum frankfurt
Projektleitung
Susanne Gesser // historisches museum frankfurt
Kuratorin
Katja Weber // historisches museum frankfurt
Ausstellungsbegleitende Beratung
Herman Kossmann // Kossmann.deJong
Martin Saemmer // Kossmann.deJong
Ausstellungskonstruktion und -aufbau
Holger Gehr // Schreinerei Gehrung
Andreas Emmerling // Schreinerei Gehrung
Kunst im öffentlichen Raum, Performances
antagon theaterAKTion
Monika Bremer // Arty Schock
Sophie Burger // Arty Schock
Fabian Eck // Arty Schock
Katharina Engler // Arty Schock
Leon Gabriel // Arty Schock
Lisa Gehring // Arty Schock
Cornelia Heier // Künstlerin
Florian Heller // Arty Schock
Gisa Hillesheimer // Künstlerin
Moritz Gleditzsch // Arty Schock
Tugba Önder // Arty Schock
Sara Örtel // Arty Schock
Sophie Osburg // Arty Schock
Leonie Otto // Arty Schock
Julia Schade // Arty Schock
Tim Schuster // Arty Schock
Rahmenprogramm, Vernissage
Alexander Antonakis // CHOCOLAT 
Zöhre Gürzoglu // Zur Insel
Angela Jannelli // historisches museum frankfurt
Klara Kletzka // Dialogmuseum
Bengt Köslich // Dialogmuseum
Tabata Kunze // Agentur TOPCOM
Johnny Love // CHOCOLAT
Heiko MSO // CHOCOLAT
Manfred Reitzlein // Fritz deutschlanD e.V.
Hans Romanov // Yachtclub
Jürgen Steinmetz // Stadtteilhistoriker
Heike Strelow // Galerie Heike Strelow
Jochen Ickert // Verkehrsplaner
Leihgeber
Sylvia Appenroth // Management für Hafen und Markt Frankfurt
Moritz Baumung // Montimare Bikeshop
Wolfgang Burck // Fischerzunft
Luigi Cortese // BMX-Sammler
Jürgen Dingeldei // Wasserschutzpolizei
Friederike Satvary // Metzgerei Gref-Völsings
Zöhre Gürzoglu // Zur Insel
Li-Chiung Hilbert-Jung // Fo-Guang-Shan-Tempel
Andrea Jürges // Europäische Zentralbank
Carsten Kobis // Polizeipräsidium Südost Hessen
Peter Kowalski // Amt für Straßenbau und Erschließung
Christine Kurrle // Zoo Frankfurt
Dieter Galinski // Hafenbahn
Daniel Trumpf // Globetrotter
Medienpartner
radioX
Danke auch an
Petra Eggert // Café am Ostbahnhof
Christiane Dubuque // Nachbarschaftszentrum Ostend
Harald Randig // Management für Hafen und Markt Frankfurt
Silke Kronsteiner // Management für Hafen und Markt Frankfurt
Jutta Vahrson // Autorin
Mit freundlicher Unterstützung von
Europäische Zentralbank
Managementgesellschaft für Hafen und Markt Frankfurt mbH
p3 trainieren. beraten. entwickeln.
Sander Media GmbH
Glasbau Hahn

Weiterführende Informationen

Zum Blog: www.ostend.stadtlabor-unterwegs.de

Ausstellungsort

Kontorhaus am Osthafen
Lindleystraße 12
60314 Frankfurt am Main

 

17.5.2011-30.9.2011

Das bekannte Altstadtmodell wurde von 1925 bis 1961 von den Brüdern Hermann und Robert Treuner für das Historische Museum Frankfurt gebaut. Im Sommer 2011 wurde es im Kontext der schon über ein Jahrhundert währenden Debatte um bauästhetische Vorstellungen, stadtplanerische Visionen und Denkmalschutz der Frankfurter Altstadt neu präsentiert.

Das Altstadtmodell stellt einerseits eine Dokumentation historischer Gebäude und Straßenzüge dar, andererseits nährt es romantisierende Vorstellungen vom Leben in der Altstadt. Die damaligen, sozial und hygienisch unhaltbaren Zustände werden in den sauber bemalten Gassen und Fassaden des Modells nicht sichtbar. In diesem Sinn war das Modell stets ein Konstrukt: Es entwarf ein reduziertes, harmonisches und homogenes Bild der Frankfurter Altstadt, wie es wohl niemals existiert hat.


 
Die hölzernen Gebäude des Modells halten die Erinnerung wach an unterschiedliche Zustände der Altstadt und an Eingriffe in ihre bauliche Struktur: Die Brandmauern an der Braubachstraße wurden sichtbar, nachdem diese Straße 1904/05 durch das Quartier hindurch gebrochen wurde. Während des Nationalsozialismus wurden im Rahmen der sogenannten „Altstadtgesundung” in der „Stadt des deutschen Handwerks” Hinterhöfe wie der am Fünffingerplätzchen und der Kirschgarten entkernt. Nach 1945 waren u.a. das Salzhaus und das Goethehaus Gegenstände langjähriger Debatten über Rekonstruktion und Moderne.
 
Neben dem Altstadtmodell wurden in der Ausstellung weitere Modelle sowie Gemälde, Grafiken und Fotografien der Brüder und weiterer Künstler erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Einblick wurde auch in den Modellbauprozess gewährt, von dem Skizzenbücher mit Aufmaßen und großformatige Zeichnungen erhalten geblieben sind.
   

Ort der Ausstellung

Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse
Neue Mainzer Straße 49
60311 Frankfurt am Main
 

Begleitbuch

Das Frankfurter Altstadtmodell der Brüder Treuner. Hrsg. von Jan Gerchow und Petra Spona, mit Beiträgen von Oliver Elser, Jan Gerchow, Oliver Morr, Petra Spona, Michael Stöneberg und Christian Walter, Henrich Editionen 2011, 32 Seiten, 35 Abbildungen, Bd. 1 der kunststücke des historischen museums frankfurt, hrsg. von Jan Gerchow, 9,95 €

19.5.2004-27.3.2011

Seit Ende der 1990er Jahre ist das Thema Migration in verschiedenen Projekten des Historischen Museums präsent und stellt einen Schwerpunkt in der Vermittlungsarbeit dar. Zwischen 2004 und 2011 trug die Dauerpräsentation der Geschichte der Migration in Frankfurt dazu bei, ein Signal an die gegenwärtige und weitverzweigte Migrationsgesellschaft zu geben und Migration als Teil der Stadtgeschichte zu verstehen.

 Den typischen Frankfurter gibt es eigentlich nicht, stammen doch viele Frankfurter Bewohner/innen nicht von alteingesessenen Familien ab. 2004 gehörten die 650.000 Einwohner/innen von Frankfurt 185 verschiedenen Nationalitäten an; nahezu jede/r dritte Einwohner/in hatte keine deutsche Staatsbürgerschaft.
 
„Von Fremden zu Frankfurtern” wollte die Zuwanderung nach Frankfurt und das Zusammenleben von Frankfurter/innen und Zugewanderten sowie ihre Integration in die städtische Gesellschaft in Vergangenheit und Gegenwart bewusst machen. Auf historischer Seite standen etwa die Wanderungsbewegungen von Glaubensflüchtlingen früherer Jahrhunderte im Zentrum, die in Frankfurt einen Zufluchtsort fanden und so zum Wachstum der Frankfurter Einwohnerschaft beitrugen.


  
Im 20. Jahrhundert waren es vor allem politische und wirtschaftliche Gründe, die viele Menschen als Heimatvertriebene, displaced persons, Republikflüchtlinge oder als sogenannte Gastarbeiter nach Frankfurt brachten. Ihre Lebenswelten, Wohn- und Arbeitssituation waren Gegenstand der Ausstellung. Im Blickfeld standen auch Vereine, die unterstützend agierten und auch heute noch agieren, um etwa Migrantinnen in den Arbeitsprozess zu re-integrieren oder in Prostitution geratenen Frauen zu helfen.
 
Während die Themen des ersten Ausstellungsteiles auf großen Tafeln mit Bildern und Texten vermittelt wurden, kamen im zweiten Teil der Ausstellung in erster Linie Erinnerungsobjekte zur Darstellung, ergänzt von Zeitzeugen-Interviews. Exponate wie Fotografien, Plakate, Arbeitsverträge oder persönliche Erinnerungsstücke gaben Einblicke in verschiedene Lebens- und Arbeitssituationen.
  
Die Ausstellung bot auch Platz für den „Treffpunkt der Kulturen” und die „Galerie Migration”. Hier fand über die Jahre ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Lesungen, Diskussionsabenden oder kleineren Ausstellungen statt, das von zahlreichen Kooperationspartnern (z.B. Internationales Familienzentrum e.V., Caritas Stadtmitte oder der JBS Anne Frank) mitgetragen wurde.
 
Bei der Neukonzeption vom Fachmuseum zum Stadtmuseum der Mainmetropole, das Frankfurt sowohl in seiner historischen Bedeutung als auch mit seinen aktuellen Themen präsentiert, wandelte sich auch die Auffassung von Migration. Aktuell verstehen wir Migration als Querschnittsthema und als Teil der kulturellen Diversität, deren Spuren wir in Geschichte und Gegenwart verfolgen. So trifft es sich gut, dass ein Teil der Objekte der Ausstellung „Von Fremden zu Frankfurtern” in die Sammlung übernommen werden konnte.
 
„Von Fremden zu Frankfurtern” ist entstanden in Zusammenarbeit mit dem Amt für Multikulturelle Angelegenheiten, dem Museum der Weltkulturen und mit Unterstützung der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.
 
Kurator: Roland Hoede M.A. / Terra Incognita e.V.
Rahmenprogramm: Wolf von Wolzogen