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 Innere Ansicht der Paulskirche, Frankfurt am Main, 1848/1849
Elliot, Ludwig von, Innere Ansicht der Paulskirche, Frankfurt am Main, 1848/1849 © HMF Horst Ziegenfusz

Frankfurt = heimliche Hauptstadt?

Frankfurt ist seit dem Mittelalter ein politischer Zentralort in Deutschland – auch wenn es nie eine „Hauptstadt“ im Sinn der Verfassung war. Marc Giai-Miniet zeigt in seinem Modell die Geschichte und Facetten der heimlichen Hauptstadt".

Nach dem  Zweiten Weltkrieg wäre Frankfurt fast die Hauptstadt der neuen Bundesrepublik Deutschland geworden. Auch wenn Frankfurt nie eine richtige Hauptstadt war, hatte sie doch seit dem Beginn ihrer Geschichte Hauptstadtfunktionen: Das Ostfrankenreich der Karolinger im 9. Jahrhundert hatte hier sein Zentrum, seit dem 12. Jahrhundert wurden die Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation hier gewählt und zum Teil auch gekrönt. Zwischen 1816 und 1866 tagte hier der Deutsche Bund machte Frankfurt so zu einer Hauptstadt im Verfassungssinn. Die erste deutsche Nationalversammlung 1848/49 kam in der Frankfurter Paulskirche zusammen. Frankfurt sollte die Hauptstadt eines neuen Deutschen Reichs werden, was sich allerdings nie durchsetzte.

Mit der preußischen Annexion 1866 verlor Frankfurt seinen Status als Freie Stadt und fiel gegenüber Berlin in die zweite Reihe zurück. Erst der Ausgang des Zweiten Weltkriegs änderte dies wieder: Frankfurt war der „natürliche“ Kandidat für die Hauptstadt der neuen Bundesrepublik. Das schon gewonnen geglaubte Rennen wurde bekanntlich an Bonn verloren. Die Stadt konzentrierte sich daraufhin auf ihre altbewährte Rolle als deutsches Finanzzentrum. Das Hauptquartier der Amerikaner in Frankfurt gab den Ausschlag für die Ansiedlung der Bank Deutscher Länder (später Bundesbank). Seit 1998 ist Frankfurt Sitz auch der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Neubau der EZB hat Frankfurt den Ruf als dritte europäische Hauptstadt (nach Brüssel und Straßburg) verschafft.