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Die Sammlung Fotografie umfasst rund 290.000 fotografische Werke von den frühen Anfängen der Fotogeschichte in Frankfurt bis heute. Vertreten sind fast alle fotografischen Verfahren und Techniken von der Daguerreotypie über die Schwarzweiß- und Farbabzüge bis zum Digitaldruck, vom Glasnegativ bis zur digitalen Fotodatei. 

Die Sammlung beinhaltet Einzelwerke, Serien und Fotoalben professioneller Fotograf/innen und Fotoateliers, aber auch von Fotoamateuren und Knipserfotograf/innen. Hochwertige Künstlerabzüge stehen neben Dokumentarfotografien und Privatfotos. An der Entstehung der Sammlung lassen sich nicht nur die Stationen der Fotogeschichte, sondern auch die Entwicklung der Mediengeschichte bis ins 21. Jahrhundert ablesen. Seit der Gründung des Museums 1878 wurden Fotografien gleichberechtigt, neben Zeichnungen und Druckgrafik, in die Grafische Sammlung integriert und dienen der Dokumentation von Stadtgeschichte und Stadtbild. Dabei erweist sich das neue, 1839 entstandene Medium als hervorragendes Mittel, um die seit Mitte des 19. Jahrhunderts sich beschleunigenden Veränderungsprozesse in der Stadttopografie und die  historischen Ereignisse im Bild festzuhalten.

Portrait und Stadtbild im 19. Jahrhundert
Neben den Stadtbild- und Architekturaufnahmen - u.a. von Carl Abt, Carl Böttcher, Theodor Creifelds, Carl Friedrich Fay, Karl Hertel- zählt die umfassendste Sammlung des Fotografen Carl Friedrich Mylius zu den herausragenden Schätzen des 19. Jahrhundert. Daneben stehen in der Porträtsammlung die historisch bedeutenden Daguerreotypien des Fotografen Jacob Seib von Abgeordneten der Frankfurter Paulskirche (1848) und kolorierte Porträts Frankfurter Bürger auf Salzpapier aus den Ateliers Fritz und Julie Vogel sowie Steinberger & Bauer.

Die Entwicklung der modernen Fotografie im 20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert erweitert sich die Sammlung – neben Stadtbild, Stadtgeschichte und Porträt – in den Bereichen Künstler- und Reportage-Fotografie, sowie durch Spezialsammlungen zum Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Das Fotografen/-innen-Verzeichnis umfasst heute mehr als 600 Namen, darunter für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts 800 Glasnegative Carl Abts und Werke aus dem Atelier Paul Wolff & Tritschler, die in besonderer Weise die Frankfurter Altstadt dokumentieren. Für die Moderne des Neuen Frankfurt stehen Werke von Hermann Collischonn, Grete Leistikow, Martha Hoepffner und Ilse Bing. Die politische Auseinandersetzung kurz vor der NS-Diktatur zeigt eine Serie von Fotografien mit Demonstrationen zum 1. Mai der Fotografin Gisèle Freund.

Seit der Wiedereröffnung des Museums 1972 kamen im Rahmen verschiedener Ausstellungs- und Sammlungsprojekte umfangreiche Konvolute ins Haus, die zurzeit noch erschlossen werden. Dazu zählen u.a. die Fotografennachlässe von Friedrich Lauffer und Max Göllner, die Stereonegativsammlung von Wilhelm Straub sowie das Vorlagenarchiv des NS-Bildberichterstatters Otto Emmel.

Künstlerische Positionen
Ab den 1980er Jahren wird die Fotosammlung immer wieder durch Ankäufe thematische Serien ergänzt, die mit künstlerischen Mitteln das Stadtbild ausloten oder politische und soziale Phänomene untersuchen: Beispielhaft zeigen Martin Starls Studie der Frankfurter Wasserhäuschen , die Gerald Domenigs Bilder aus Frankfurt, die Arbeit Moscheen von Rami Tufi und das Projekt Abriss Frankfurt von Meike Fischer den Wandel im Stadtraum. Daneben weisen die Untersuchungen über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter von Erika Sulzer-Kleinemeier, die Obdachlosenportraits  und die Dokumentation zum Häuserkampf im Westend von Abisag Tüllmann auf die sozialen Verwerfungen in der Stadtgesellschaft hin.

Neue Sammlungsthemen: Mode, Protestkultur und Migration
Mit dem Erwerb des Fotoarchivs des Frankfurter Modeamtes zur Mode in der NS-Zeit entstand seit Ende der 1990er Jahre ein Sammlungsschwerpunkt hatzur Modefotografie, der durch umfangreiche Zuwächse zur Arbeit des Instituts für Modeschaffen und des Modeateliers Toni Schiesser und mit Konvoluten von Modefotograf/innen u.a. von Lilo Gwosdz und Regina Relang erweitert werden konnte.

Als neues Thema etablierte sich auch die fotografische Dokumentation der Protestkultur und der neuen sozialen Bewegungen in Frankfurt: von den Aktionen der Studenten-, Lehrlings-  und Jugendzentrumsbewegung über den Frankfurter Häuserkampf bis hin zum Occupy-Camp und den Blockupy-Demonstrationen.  Die Aktivitäten der Frauenbewegung sind durch Aufnahmen aus dem Nachlass der Fotografin Gerda Jäger vertreten.

Die Ausstellungsprojekte der „Galerie Migration” bereicherten von 2005 bis 2011 die Sammlung mit fotografischen Porträts italienischstämmiger Frankfurter von Gunter Klötzer sowie mit drei Schwarz-Weiß-Serien von Heiko Arendt zu Migrationsthemen in der Stadt.

Sammlungszuwachs
Die Sammlung Fotografie wächst beständig durch kleine und große Schenkungen und Sachspenden von Frankfurter/innen, die eigene Erinnerungsfotos oder Alben ihrer Vorfahren aber auch große professionelle Nachlässe dem Museum zur Sichtung und Auswahl übergeben. 
Zwei neue Schenkungen stehen für diese Entwicklung: die Werkauswahl von 1.700 Schwarzweißfotografien und Diapositive des international tätigen schwedischen Fotografen Calle Hesslefors vorgestellt. Zwischen den 1960er Jahren bis Ende der 1990er Jahre berichtete er über politische und kulturelle Themen aus Frankfurt, die US-Army, die Jazzszene und entwickelte mit dem Presseamt der Stadt zwei Stadtbildbände über den Lebensrhythmus Frankfurts.
Der Nachlass des Polizeihauptkommissars und Fotografen Fred Prase mit seinen Sozialstudien aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel wird gerade erst gesichtet und inventarisiert. Seine Bilder aus dem Stadtteil, seinem Revier, erzählen Geschichten aus den 1980er Jahren von Opfern und Tätern, vom Alltag der Prostituierten, Drogensüchtigen und Obdachlosen, von Lebensräumen der Migranten und der Arbeit der Polizei mit kritischer Anteilnahme.

Literatur  Fotografie (28 kb, pdf)