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Spolienwand am Ausstellungshaus

In zwölf Nischen an der Nordfassade des Ausstellungshauses sind historische Steinfragmente in Gruppen eingefügt. Sie ziehen bei den Vorübergehenden in der Saalgasse und am Römerberg die Aufmerksamkeit auf sich.
Die Spoliengruppen mit Inschriftensteinen, Schluss- und Kragsteinen stammen allesamt von Frankfurter Gebäuden, die abgerissen oder im Krieg zerstört wurden. Sie sind ein lebendiges Zeugnis der Stadtgeschichte und weisen schon von Weitem auf die Funktion des Gebäudes als Speicher für die Geschichte der Stadt hin.

Nische 1 – Fensterbogensteine

 

Bogenschlussstein, 18. Jhd. Haus Frauenrode


Der Bogenschlussstein zeigt das Mittelstück eines Segmentbogens mit einer Rokokokartusche mit einem Grasbüschel. Er stammt aus dem Haus Frauenrode. Das Gebäude wurde 1424 von der Stadt erworben. Es diente als Ratsstube und Schreiberei. 1438 wurde mit dem Turm Frauenrode erstmals in Frankfurt ein Gebäude allein für Archivzwecke errichtet. 1747 erfolgte ein umfangreicher Umbau. Aus dieser Zeit stammen auch die Steine an der Museumswand, die nach dem Abbruch im Jahr 1900 in das Museum gelangten. An der Stelle von Frauenrode befindet sich heute der Bürgersaalbau des Römers.




 

Nische 2 – Wappensteine

 

Wappentafel, um 1680 Haus Clesernhof


Der Stein befand sich über dem Torbau an der Kerbengasse 11 in einem aufgebrochenen Giebelfeld. Die Wappen stehen für die Erbauer des Glesernhofes (Gläsernhof): Peter Gläser und dessen Ehefrau Anna Maria Rasor. Im linken Feld sieht man ein barockes Noppenglas, darunter einen springenden Fisch. Das Glas symbolisiert den Namen Peter Kaspar Gläser von Gläserthal (gest. 3.11.1689). Peter Gläser stammte ursprünglich aus Saalfeld.
Der springende Fisch im linken Feld des Steins ist Teil des Stadtwappens von Saalfeld. Hier verweist er auf den Geburtsort des Bauherrn des Hauses. Im rechten Feld des Steins sieht man ein quadriertes Schild, belegt mit zwei ins Andreaskreuz gelegten Hacken, oben und unten ein Kleeblatt. Es ist das Wappen der Familie Rasor. Anna Maria Rasor (1652-1696) war die Ehefrau von Peter Kaspar Gläser. Die Familie Rasor stellte in mehreren Generationen Syndici (Rechtsberater) der Stadt Frankfurt. Im Jahr 1742 wurde der städtische Stallmeister Martin Rasor (vor 1685-1742) Mitglied in der Gesellschaft Frauenstein.

Die Geschichte des Clesernhofes (ursprünglich Gläser-Hof)
– 1564 von Johann von Glauburg errichtet
– Peter Kaspar Gläser (seit 1686 geadelt von Gläserthal) erwirbt das Anwesen und lässt es 1682/83 umbauen. Kaufmann Gläser ist Messing- und Schrotthändler.
– 1863 Die Stadt erwirbt das Gebäude
– 1867-1887 Königlich-Preußisches Polizei-Präsidium
– 1882 Sprengstoffanschlag mit Dynamit
– 1885 Tötung des Leiters der Frankfurter Kriminalpolizei (Ludwig Rumpf) durch einen 20-jährigen Anarchisten
– 1900 Abriss (Neubau Römer)


Wappentafel, 1653 Haus "Zur Goldenen Zange", Fahrgasse 57


Die sandsteinerne Wappentafel zeigt zwei Schilde mit Wappen und die Datierung 1653. Drei Kesselhüte zieren das linke Wappen, die obere Helmzier ist hier auch ein Kesselhut. Das rechte Wappen zeigt eine massive Stadtmauer mit Stadttor, dahinter drei große Türme. Helmzier ist hier eine langhaarige Frau mit großem Anker im Arm. Die Tafel war gebrochen und ist restauriert worden.
Die Familie Ketelhodt (verschiedene Schreibweisen möglich) war ein niedersächsisches und mecklenburgisches Adelsgeschlecht, das seit 1230 nachweisbar ist. Im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt war es seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ansässig. Erster Vertreter der Familie auf der Ganerbengesellschaft des Hauses Alten-Limpurg war Carl Ulrich von Ketelhodt (1773-1832).


Wappentafel, Mitte 15. Jhd. Herkunft unbekannt


Die basaltene Wandtafel mit einem Doppelschild zeigt die Wappen Rohrbach und Wixhäuser (Wickenhausen). Johann Rohrbach heiratet 1428 Else Wixhauser (auch Wixhäuser), die Tochter des Ratsherren Heinrich Wixhäuser. 1443 wird Johann in den Rat der Stadt gewählt. Von da an erscheint der Wixhauser Hof als Rohrbach'scher Familienbesitz. Es ist später der Augsburger Hof, dann der Wixhauser-, Rohrbacher- oder auch der alte Rahmhof. Er war bis zum großen Brand von 1719 burgähnlich abgeschlossen. Möglicherweise stammt der Stein aus diesem ehemaligen Anwesen der Familie Rohrbach/Wixhäuser. Der heutige Darmstädter Ortsteil Wixhausen wird im Mittelalter in Urkunden als Wikkenhusen bezeichet (Wikkenhusen (1211), Wicheshusen (1225); Wickershusen (1286), Wixhusen (1295), Wickeshusen (1339)).




 

Nische 3 – Ornament-, Brüstungs- und Grabsteine

 

Dreiecksgiebel, 18. Jahrhundert Haus „Zum (Goldenen) Wolf“, Fahrgasse 16


Das Giebelfeld aus rotem Sandstein weist ein frugales Mittelmotiv auf. Die originäre Verdachung ist heute verloren. Der Stein stammt vom Haus zum Wolf. Der zweigeschossige Bau aus dem 18. Jahrhundert wurde etwa 1864 um ein Geschoß aufgestockt. Der Giebelstein befand sich über dem mittleren Fenster des ersten Stockwerks.

Ornamentstein, um 1753 – 1757 Darmstädter Hof


Der Ornamentstein aus Rotsandstein stammt vom Darmstädter Hof. Er zeigt ein sogenanntes Trophäen-Gehänge, das hier unter anderem aus einer Violine, einer Trompete und Notenblättern besteht. Der Stein ist seit dem Abriss des Gebäudes 1899 in städtischem Besitz.
Das weitläufige Gebäude Darmstädter Hof befand sich seit 1627 im Besitz des hessisch-darmstädtischen Fürstenhauses und diente den Landgrafen von Hessen-Darmstadt als Stadtresidenz. Auf dem Grundstück stand nach Abriss 1899 zunächst das Kaufhaus M. Schneider. Nach der Niederlegung des Darmstädter Hofs kaufte die Stadt die Ziersteine der barocken Straßen- und Hoffassaden, um das Gebäude später an anderer Stelle wieder aufzubauen. Die Steine lagerten jahrelang im Frankfurter Stadtwald und dienten zusammengeschoben als Felslandschaft in einem Tiergehege.


Grabplattenfragment, Ende 17. Jahrhundert


Die Rotsandsteinplatte zeigt den geflügelten Kronos (Saturn) mit Buch und Sanduhr. Zu seiner linken Seite befindet sich ein Totenschädel, aus dem ein Rosenbusch wächst. Es handelt sich bei dem Stein um den unteren Teil der Grabplatte von Johann Balthasar von Keib (1637-1697). Keib war Schöffe, Senator und Bürgermeister der Freien Stadt Frankfurt. Die Grabplatte wurde 1966 bei einer Grabung in der Katharinenkirche gefunden.

Sinngemäß übersetzt bedeutet die Inschrift:
Dem gnädigsten und erhabensten Gott geweiht
Unter diesem Stein ruht in Christus
Der wohlgeborene Herr Johann Balthasar von Keib
Schöffe, Gelehrter und Senator der Freien Stadt
Frankfurt der am 12. Februar 1637 das Licht erblickt hat.
Zuerst verheiratet mit der edlen Anna Margretha
Stalburger die gestorben ist, dann mit der edlen
Justina zum Jungen, was es dann 10 freie
Elterteile (Kinder) gemacht hat, von denen 8
sie verlassen haben, ausgegossen (gestorben)
3. März 16(97)

Ornamentstein, um 1791 – 1793 Ehem. Palais Mumm, Zeil 36


Der Ornamentstein besteht aus Buntsandstein und weist ein von Füllhörnern flankiertes Muschelmotiv auf. Er stammt von der Fassade des Palais Mumm. Dieses stand an der Zeil (Hausnummer 36). Das Palais wurde 1791 bis1793 an der Ecke zur Brönnerstraße für den Handelsherren und Bankier Johann Friedrich Schmid errichtet. Das Schmidsche Haus war bekannter als Palais Mumm, benannt nach seinem späteren Besitzer Daniel Heinrich Mumm von Schwarzenstein, dem ersten Frankfurter Bürgermeister nach der preußischen Besetzung Frankfurts. Heute steht an dieser Stelle das Primark-Kaufhaus. Die Ornamentsteine, von denen sich hier einer erhalten hat, sind an der Fassade des Palais Mumm zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss zu sehen.




 

Nische 4 – Inschriftensteine


Inschriftenstein, nach 1755 Familiengruft Karmeliterkirche Frankfurt


Gemäß der Inschrift stammt der Stein vom Grab des Domenico Martino Brentano (1686-1755). Sein Vater, der Stammvater der Familie, war Domenico Brentano (1651-1723). Er erwarb 1676 den Beisaßen-Schutz und verlegte 1698 den Hauptsitz mit Filialen in Tremezzo, Bingen, und Mainz nach Frankfurt. Domenico Martino Brentano war bis 1707 in Italien. Er übernahm die Filialen in Mainz und Amsterdam (seit 1733). Ab 1753 hatte er ein eigenes Unternehmen in Frankfurt. Der Firmensitz war „Hinter dem Lämmchen/Nürnberger Hof“.

Die Inschrift lautet:
SEPULCRUM
DOMINICI. MARTINI BRENTANO
NATI 1686. ET DES CENDENTIUM
Übersetzt bedeutet das:
GRAB
DOMENICO MARTINO BRENTANO
GEBOREN 1686. UND NACHFAHREN


Grabplatte, nach 1571 Alte Peterskirche, Chorbereich


Die Platte ist das Epitaph des Daniel zum Jungen (1512-1571) und seiner Frau Margareta Fürstenberger (gest. 1549) aus dem Chorbereich der alten Peterskirche, die 1895 abgerissen wurde. Dr. jur. Daniel zum Jungen studierte in Pavia, war 1538 Ratsherr, 1544 jüngerer Bürgermeister, 1547 Schöffe, 1548, 1557, 1561 und 1567 Älterer Bürgermeister in Frankfurt, außerdem Gesandter auf den Reichstagen zu Augsburg 1550, 1559 und 1566.

Die in einer mit umlaufendem Perlstabschmuck verzierten Vertiefung eingemeißelte Inschrift lautet sinngemäß übersetzt:

Herr Daniel (zum Jungen) dieser
Republik, Schöffe und Senator, der am
15. Januar 1571 gestorben ist.
Dame Margretha von Fürstenberg,
desselben wohltätigen Frau, gestorben
20. April (15)49.
Hieronymus und Margaritha, die liebenden Kinder
haben dieses Denkmal aufgestellt.

Inschriftentafel, 17. Jhd. Haus „Zur Reuse“, Markt 23


Die Rotsandsteintafel zeigt eine Engelsfigur über einer ausgerollten Schriftrolle.
Die Inschrift lautet:

HÄLT VIEL LEID IN ALE SACHE
LAS DE HERE MIT DIR MACHE
GLAUB WAS ER DIR WIRD ZUSED
WIRD ER DIR ZUM BESTE WEDE
PSALM 37
DAS HAUS ZUR REUSE WIRD GENANNT
IST ALLES BEVOLEN IN GOTTES HAND

Die zitierte Textpassage findet sich nicht in Psalm 37.
Die Tafel stammt vom Gebäude „Zur Räuse“ am Markt 23. Das Haus stand an der Stelle, an der sich heute die rote Sandsteinpergola in der Neuen Altstadt befindet.

Inschriftentafel, 1667 Katharinenstift, Zeil 67


Die rechteckige Steinplatte wurde am 12. Juni 1885 erworben. Sie besteht aus Buntsandstein und zeigt in einer ovalen, barocken Kartusche folgende Inschrift:

EIN EDLER UND HOCHWEISER RATH
DIESER STATT FRANCKFURT SICH ERINNEREND
DAS WICKHARD FROSCH GESCHLECHTER DISS ORTSUND CANONICUS IN ST. STEPHANS STIFFT ZU MAINZ IM
JAHR C: 1354 AUS EIGENE MITTELN GEGENWÄRTIGE DIESE KIRCHE
UND KLOSTER ZU S: CATHARINEN UMB ERHALTUNG EINE
ANZAHL IUNGFRAUEN UND ABGELEBTER ARMER EHRLICHER
MÄNNER CHRISTLÖBLICH GESTIFFTET HAT IN ANNO 1667. DEN
11. TAG MONATS DECEMBER EINHELLIG DECRETIERT DAS VERMELDET
FUNDATION GEMÄS DIE IÄRLICHE GEFALLE HIN FÜRO HIERZU
ANZUWENDEN. DESWEGEN AUCH UMB MEHRER BEQUEM
LICHKEIT DURCH DIE DAMALIGEN PFLEGER DISES STIFFTS
UND KLOSTERDISEN BAU AUFFÜHREN LASSEN

Die Katharinenkirche und das Kloster waren 1354 von Wicker Frosch für adelige Frauen gegründet worden. Wicker Frosch war ein Frankfurter Patrizier und er war Kanoniker in Frankfurt und Mainz. Er stiftete eine Reihe noch heute bestehender Einrichtungen, darunter das St. Katharinen- und Weißfrauenstift, eine Versorgungseinrichtung für bedürftige, christliche Frankfurter Frauen.
Ein Neubau der Katharinenkirche fand von 1678 bis 1681 statt. Die Inschrift auf dem Stein gibt an, dass die Deputierten des Magistrats der Stadt einen Neubau 1667 beschlossen haben.

Inschriftentafel, 1604 Haus „Zum Hirsch“, Saalgasse


Diese Inschriftenplatte stammt vom Haus „Zum Hirsch“ in der Saalgasse. Die Inschrift bezieht sich auf eine heute nicht mehr übliche Berufstätigkeit.
Sie lautet:

IM IAR1604 IST DAS
PROFEI ZUM HIRSCH
HIER DURCH GEFEGT
UND AN DIESEM STEIN
DURCHGEBROCHEN
WORDEN

Die Bedeutung von Profei (Entstellung aus privat) ist: Grube, Abtritt, Kloake, Heimelichkeit, heimliche Gemächer oder Toilette. Diese Auffanggruben für Fäkalien unter den Stadthäusern mussten von Zeit zu Zeit entleert und gereinigt werden. Diese unangenehmen Arbeiten übernahmen die Gehilfen der Scharfrichter. Die Inschriftentafel verweist darauf, dass im Jahr 1604 die Reinigung der Kloake im Haus „Zum Hirsch“ vorgenommen wurde.




 

Nische 5 – Gewölbeschlusssteine

Gewölbeschlusssteine

Die beiden oberen Steine und der erste Stein in der zweiten Reihe von oben stammen aus der alten Heilig-Geist-Kirche. Sie zeigen die Familienwappen Prusse, Leneck und Monis. Die Heilig-Geist-Kirche war Teil des gleichnamigen Hospitals und befand sich an der Stelle der heutigen Adresse „Am Geistpförtchen“.
Der zweite Stein in der zweiten Reihe befand sich früher in der Alten Peterskirche, die 1891 abgerissen wurde. 
Der untere, größere, Stein stammt vom ehemaligen Clesernhof. Dort war er im Gewölbe der hinteren Toreinfahrt eingelassen. Er zeigt das Allianzwappen Rohrbach/Werstatt.

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